Schlussbericht Arbeitsgruppe „EDELWEISS“

Die Arbeitsgruppe „EDELWEISS“ hat im Januar 2012 ihre Arbeit abgeschlossen und die Resultate dem CdA (als Auftraggeber) präsentiert. Bei dieser Präsentation waren ausserdem anwesend: Div Aldo Schellenberg (C Armeestab), Div Daniel Roubaty (Kdt HKA), Br Rolf Oehri (Kdt Gst S bis Ende 2011), Br Daniel Lätsch (Kdt Gst S ab 2012), Div a D Martin von Orelli (Präsident GGstOf).

Gemäss Projektauftrag des CdA vom 10.12.2010 verfolgte das Projekt drei Ziele:

  • Die bestehenden Ausbildungsinhalte und -methoden der Generalstabslehrgänge (I-V) sind zu überprüfen und an die Bedürfnisse der zivilen und militärischen Vorgesetzten wo notwendig und sinnvoll neu auszurichten;
  • Insbesondere sollen die GLG IV und V neu konzipiert werden;
  • Im Weiteren soll aufgezeigt werden, mit welchen konkreten Massnahmen die Attraktivität für Milizoffiziere verbessert und somit die Erhöhung des Milizanteils erreicht werden kann.

Während die Ziele 1 und 2 vom Kdt HKA (als Auftragnehmer) dem Kdt Gst S zur Bearbeitung zugewiesen wurde, sollte eine Gruppe von Miliz Gst Of um Oberst i Gst Marcus B. Graf *** sich einerseits um das Ziel Nr 3 kümmern und andererseits (als nachgereichter Zusatzauftrag) zwei nachgelagerte Ziele verfolgen:

  • Überprüfung des Konzeptes des Kdt Gst S hinsichtlich der Zielsetzung „Erhöhung des Milizanteils in der Gst Ausb“.
  • Prüfung der Empfehlungen aus der Schrift „Die Zukunft der Miliz im Korps der Generalstabsoffiziere„.

Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich ausschliesslich auf die Resultate der Gruppe der Miliz Gst Of.

A – Überprüfung des neuen Konzept Generalstabslehrgänge (nicht öffentliches Konzept des Kdt Gst S)

Die verschiedenen Aussagen im Konzept wurden ausschliesslich auf die Zielsetzung „Erhöhung des Milizanteils in der Gst Ausb“ überprüft. Daraus sind Beurteilungen in Ampelform resultiert.

Die Gruppe hält als Alleinstellungsmerkmale der höheren militärischen Führungsausbildung fest:

  • Prozessbeherrschung unter physischer/psychischer/zeitlicher Belastung
  • Etablierung unter den Besten durch einen unabhängigen Selektionsprozess
  • Geld als Eintrittsbarriere zur zivilen Ausbildung versus Fähigkeiten als Eintrittsbarriere zur militärischen Ausbildung
  • Dauer des GLG I/II/III (3 x 4 Wochen) mit anschliessender Anwendung in einem Stab Gs Vb und Bat Kdo für einen Teil der Gst Of

Sie empfiehlt als möglich Massnahmen für Gewinnung (gain) neuer Miliz Gst Of:

  • Anpassung der Selektion (Kriterien)
  • Attraktivitätssteigerung der Endqualifikation „Oberst i Gst“
  • Ergänzungen aus Anforderungen der zivilen Arbeitswelt
  • Bessere Positionierung und Kommunikation der Generalstabsausbildung

Bezüglich Anteil Miliz Gst Of in der Gst Weiterausbildung (retain) hält sie u.a fest:

Der Anteil der Miliz in den GLG IV und V beträgt zwischen 15% und 25%. Eine spezielle Positionierung ist auch wegen der ähnlichen Inhalte zu den GLG I bis III schwierig. Eine Neupositionierung kommt daher kaum ohne Anpassung am Grundkonzept aus.

B – Überprüfung vorgeschlagener Massnahmen aus der Schrift „Die Zukunft der Miliz im Korps der Gst Of“

Als zweiter Auftrag hatte die Arbeitsgruppe die Empfehlungen der Publikation „Die Zukunft der Miliz im Korps der Generalstabsoffiziere der Gesellschaft der Generalstabsoffiziere vom August 2010 hinsichtlich deren Wirkung auf eine Erhöhung des Anteils der Miliz-Generalstabsoffiziere zu beurteilen.

Diesbezüglich unterscheidet die Gruppe die Wirkung der Empfehlungen auf

  • Die Gewinnung (Quantität und Qualität) von Gst Of Anwärter/innen („gain“)
  • Den Verbleib und die Weiterausbildung von Gst Of („retain“)

Als stärkste Empfehlung wurde dabei identifiziert:

  • Führung, Führungsstrukturen und -instrumente auf den Personalmarkt ausrichten (Empfehlung Nr 6, Zielpublikum: Armeeführung);
  • Führungsaufgaben mit Fokus auf die Kader wahrnehmen (Empfehlung Nr. 11, Zielpublikum: Kdt/SC);
  • Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Schweizer Armee (Empfehlung Nr. 17, Zielpublikum: Private und öffentliche Organisationen)

Die Gruppe führt dazu aus:

Die Empfehlungen 6 und 11 nehmen die Vorgesetzten aller Stufen im Bereich der Personalplanung, -gewinnung und -entwicklung in Pflicht. Die Förderung des Nachwuchses muss für jeden Vorgesetzten die wichtigste Aufgabe sein. „Talente treten Organisationen bei, aber sie verlassen ihre Chefs„. Daher sind insbesondere die Kommandanten an ihrem Erfolg in der Personalentwicklung zu messen. Eine Beförderung muss schwergewichtig auch davon abhängen, ob ein Kommandant fähig ist, Persönlichkeiten zu begeistern, zu entwickeln und zu halten. Strukturell muss zwingend vermieden werden, dass die Karriereplanung und der Einsatz eines Gst Of von der „Willkür“ eines Kommandanten abhängt.

Die Empfehlung 17 stellt den Stellenwert der Wertschätzung durch private und öffentliche Unternehmen gegenüber den Leistungen der Schweizer Armee dar. Die Umsetzung dieser Empfehlung ist allerdings fraglich und es sind konkrete Massnahmen zu definieren.

C – Massnahmen zur Erhöhung des Milizanteils (Auswahl)

i) Die Generalstabsschule als Zentrum der Kaderausbildung
Der Auftrag der Armee im Sinne des Erhalts einer spezifischen Kernkompetenz „Verteidigung“ ist fast durchgängig in allen Kreisen der Wirtschaft und Gesellschaft akzeptiert. Für die Bewahrung dieser Kernkompetenz braucht es ein anerkanntes, sichtbares Kompetenzcenter, wo Führung und Steuerung der Organisation geübt und eine gemeinsame Kultur gepflegt werden können. Die Generalstabschule soll dieses Kompetenzcenter sein.

ii)  verbesserte Laufbahnsteuerung
Es braucht eine strategische Personalplanung und -führung für die Kader ab Stufe Einh Kdt. Hier soll für die Milizkader auch die Sicht in die nächste und übernächste mögliche Funktion erlaubt und diskutiert werden.

iii)  Hochkarätige Partnerschaften, aber nicht für das Gleiche
Partnerschaften mit Management Schulen sollen vorerst mit den anerkanntesten Instituten in der Schweiz/Europa aufgebaut und gepflegt werden (HSG, IMD, INSEAD,…). Es geht keineswegs darum, diese Institute zu kopieren, oder deren Abschlüsse zu übernehmen (damit würde die Armee ohnehin scheitern). Vielmehr soll der Titel „Oberst i Gst“ durch den Einbezug von Modulen an solchen Instituten oder mit Referaten in den Gst Kursen IV/V an den Gst S auf der richtigen Ebene positioniert werden.

iv) Generalstabsausbildung für BO nicht „zwingend“
Zurzeit ist die längerfristige Karriere eines BO stark vom Bestehen der GLG abhängig. Es sollen deshalb nicht alle attraktiven BO Stellen zwingend auf Grund eines Gst Of Parcours übernommen werden können. Dies bedingt jedoch einen langfristigen Kulturwandel im ganzen Korps der BO.

v) Operative Massnahmen
Es sollen nur die besten Ausbildner an der Gst S wirken. Dazu müssen Stellen an der Gst S für die Karriere eines BO attraktiv und die Rahmenbedingungen vorteilhaft sein (z.B. Besoldungsklasse E4). Die externen Referenten und Module in den GLGs müssen hochkarätig sein. So weit möglich, sollen die GLG (exkl. Kombi-Lehrgänge) gestaffelt und modulartig gestaltet werden.

D – Schlussbemerkungen und Vorschlag Curriculum für GLG IV und V

Es ist die feste Überzeugung der Arbeitsgruppe „EDELWEISS“, dass der Anteil an Miliz Gst Of markant erhöht wird, wenn

  • die Ausbildung anspruchsvoll, aktuell, selektiv, einzigartig und nur wenigen vorbehalten ist;
  • die Ausbildung dem Absolventen persönlich einen spürbaren und messbaren Mehrwert erbringt, den er mil und ziv nutzenbringend einsetzen kann;
  • die Ausbildung dem Absolventen im beruflichen Umfeld eine Sonderstellung ermöglicht, welche ihn im Wettbewerb um die besten Jobs klare Vorteile bringt;
  • ihm Ehre, Prestige und Imagegewinn durch die Mitgliedschaft zu einer nationalen Elite zukommen;
  • er dadurch keinen erheblichen, direkten, finanziellen Verlust erleidet.

Des weiteren sind für die Erreichung der Zielsetzung auch noch wichtig:

  • Der Armee gelingt es, die Personalführung, Planung, Strukturen und Instrumente auf den Kadernachwuchs und deren Entwicklung auszurichten.
  • Die Gst S den „Harvard-Nimbus“ erlangt, die erfahrensten und besten Lehrkräfte verpflichtet und damit die beste Kaderschule für Führungskräfte der Schweiz ist.
  • Der Miliz Gst Of den Sinn der Armee, deren Zweck und Bedeutung erkennt und bereit ist, sich überdurchschnittlich und begeisternd dafür zu engagieren.

Zum Schluss hat die Arbeitsgruppe ein eigenes Curriculum für die GLG IV (für USC) und GLG V (für SC) entworfen. Mit diesen Inhalten (Klick zum Vergrössern)

Die Ausbildungsinhalte sollen gegenüber dem heutigen Modell über ein ganzes Jahr hinweg in kleinen Modulen („Workshops“, Seminare) à ca. 3 Tagen an der Gst S, der MILAK oder an anderen Orten der Schweiz gelehrt werden. Dazu kann die Gst S mit externen Bildungsinstitutionen oder Einzelpersonen punktuelle Leistungsvereinbarungen treffen.
Ein Eintritts- und ein Schlusstest bilden den Rahmen um dieses Ausbildungsjahr. Der Kombilehrgang (=Stabsübung) bleibt bestehen und wird im Folgejahr – wie bisher – zusammen mit dem GLG III und dem SLG II durchgeführt.

E – Projektabschluss

Am Montag, 19.11.12 hatten der Kdt Gst S, Br Daniel Lätsch und Oberst i Gst Marcus Graf als Vertreter der Projektgruppe EDELWEISS die Gelegenheit, vor der Laufbahnkommission (LBK) V das Projekt EDELWEISS, die Auditergebnisse sowie den Umsetzungsstand der Anträge der Gst S zu präsentieren. Die LBK V hielt danach fest:

  • Die LBK V hat mit Interesse von der Arbeit „EDELWEISS“ Kenntnis genommen.
  • Sie dankt für die Arbeit und das Engagement.
  • Zahlreich sind die Punkte, die in den letzten Jahren bereits berücksichtigt worden sind.
  • Zusammenarbeit/Gedankenaustausch/Optimierung der Gst Ausbildung sollen in Zukunft direkt zwischen der GGstOf und dem Kdo Gst S weiter diskutiert werden.
  • Gemäss Entscheid vom 6.1.12 wird die Gruppe „EDELWEISS“ aufgelöst. Ansprechpartner in diesen von der Gruppe EDELWEISS aufgeworfenen Fragen wird in Zukunft der Vorstand der GGstOf sein.

Aus Sicht der Arbeitsgruppe EDELWEISS zeigte sich, dass die „kosmetischen“ Korrekturen, die sogenannten Quick-wins (Getrennte Ausbildungsblöcke für GLG IV und V in der ersten Woche des Kombi Lehrgangs; Neue U Anlage NEPTUN mit 2 Br und 1 LW Stab; Führung/Coaching durch 2 Br Kdt, Einsatz von 2 Coaching Teams, Eintrittsprüfung analog GLG III mit Sanktionsmassnahmen) allesamt umgesetzt worden sind und greifen. Man ist sich aber einig, dass mit diesen Anpassungen die Zielsetzung, nämlich den Milizanteil in den GLG auf mindestens 50% zu erhöhen, mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erreicht werden kann. Dafür bräuchte es weitergehende Reformen.

Parallel dazu wurden auch die Empfehlungen der GGstOf besprochen und deren Umsetzungsstand erläutert. Es zeigt sich, dass viele der Empfehlungen (noch) nicht umgesetzt sind. Die Arbeiten werden nicht nur innerhalb des Kdo Gst Schule an die Hand genommen werden müssen. Der J1/FST A ist ebenfalls nahe involviert. Die Ergebnisse der Projektgruppe EDELWEISS sollen in die Arbeiten der GGstOf einfliessen. Zudem sollen Gedanken angestellt werden, mit welchen PR-Massnahmen die Gst Of Ausbildung bei Unternehmen besser positioniert werden kann.

Der gesamte Auditbericht der Arbeitsgruppe „EDELWEISS“ ist auf Verlangen verfügbar (info@ggstof.ch).

*** Oberst i Gst Marcus B. Graf (Leitung) mit Oberst i Gst Bruno Basler, Oberst i Gst Maurice Eglin, Oberst i Gst Markus Näf, Oberstlt i Gst Roland Leuenberger, Oberstlt i Gst Fritz Messerli und Oberstlt i Gst Markus M. Müller.
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2 Antworten auf Schlussbericht Arbeitsgruppe „EDELWEISS“

  1. Col EMG Michel Fiaux (retraité) sagt:

    Toujours intéressant de lire l’actualité sur votre site EMG. Avec mes remerciements à tous ceux qui en sont les auteurs.
    Très bien rédigé, même si il vaut mieux consulter le texte original en langue allemande. La traduction en français est inutilisable mais vous n’y pouvez rien !

  2. Col EMG Gst Maurice Eglin sagt:

    Merci au col EMG Fiaux se sont commentaire! Les traductions de rapport originaux en allemand dans la langue de Voltaire sont toujours un énorme problème, demandant presque systématiquement de faire finalement réaliser la traduction par les co-aux auteurs francophones eux-mêmes, ce qui représente un travail titanesque en rapport au nombre de lecteurs potentiels.

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