Als Offizierskader geschlossen in die Zukunft gehen

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„Wir haben nur diese eine Armee“, betonte Blattmann anlässlich der Gst Of Seminare 2016. „Tragen wir Sorge dazu und gehen wir als Offizierskader geschlossen in die Zukunft.“

Es ist nicht alltäglich, dass sich die ganze Armeeleitung zusammen findet, um das Generalstabskorps der Schweizer Armee aus erster Hand direkt zu informieren. Dieses Jahr jedoch, war es wieder einmal soweit. Im Rahmen der Gst Of Seminare 2016 informierten der Chef der Armee (CdA), André Blattmann, und mit ihm die gesamte Armeeführung die anwesenden, jeweils über 150 Generalstabsoffiziere über aktuelle Themen der Armee. Der letzte Anlass ging dieses Wochenende in Brugg über die Bühne. Dabei zeigten die Generäle nicht nur die Marschrichtung der „weiterentwickelten Armee“ auf. Sie riefen auch dazu auf – insbesondere der Chef der Armee, KKdt Blattmann und sein Luftwaffenkommandant, KKdt Schellenberg – die Reihen zu schliessen und als Offizierskader geschlossen in die Zukunft zu gehen.

Es müsse endlich Schluss sein damit, dass Vereinzelte aus den Reihen der Offiziere oder Projektgruppen, sobald sie mit persönlichen Standpunkten und Meinungen in den Projekten nicht durchkommen oder sich allenfalls im Ruhestand befinden, die Institution Armee als Ganzes durch medial begleitete Aktionen gefährden und somit der Schweiz letztlich einen Bärendienst erwiesen, war der deutliche Aufruf. „Wir haben nur diese eine Armee“, betonte Blattmann. „Tragen wir also alle Sorge dazu.“

Es könne nicht angehen, dass Projekte schon in der Anfangsphase, bevor überhaupt ein Typen- oder Strategieentscheid gefallen sei, aus den eigenen Reihen mit Halbwissen oder schlicht falschen Aussagen in der Öffentlichkeit torpediert würden, meinte der CdA. „Ich finde es wichtig und richtig, dass der Departementschef VBS nun eine Untersuchung der Angelegenheit BODLUV angeordnet hat. Denn der Schaden für die Glaubwürdigkeit unserer Armee ist immens. Was gibt das für ein Bild in der Öffentlichkeit ab? Wir sollten nun endlich die Reihen schliessen und geeint auftreten.“

„Es geht nicht um den letzten oder vorletzen Krieg“

Nicht nur deshalb fände er es äusserst wertvoll, das Generalstabskorps persönlich über die anstehenden Projekte informieren zu können. Blattmann tat dies am Eröffnungsabend nicht alleine, sondern zusammen mit dem Kommandanten Luftwaffe (Kdt LW), dem Kdt Heer, dem Chef Armeestab (C A Stab), dem Chef Führungsunterstützungsbasis (C FUB) , dem Kommandanten HKA (höhere Kaderausbildung der Armee), Philippe Rebord und dem Chef Logistikbasis der Armee (C LBA) sowie – am Folgetag – mit der Chefin Personelles der Armee (C Pers A) Br Germaine Seewer und dem Kommandanten der Generalstabsschule (Kdt Gst S), Brigadier Lätsch sowie einigen anderen, hohen Generalstabsoffizieren und HSO (höhere Stabsoffiziere). Dabei gelang es der Schweizer Generalität durchaus, anschaulich aufzuzeigen, in welche Richtung die Armee in unserem Land sich mit der WEA (Weiterentwicklung der Armee) bewegen wird. „Es geht aktuell nicht mehr darum, den letzten oder vorletzten Krieg zu planen“, betonte Blattmann. „Es geht darum, die heutigen Anforderung zu Erfüllen. Dafür müssen wir uns im Bereich Verteidigung wappen und uns fit machen. Nicht für die Panzerschlacht im Rafzerfeld. Hybride Kriegsführung ist heute gefragt. Dafür werden wir im Ereignisfall antreten müssen.“

Von Doktrin über Luftpolizeidienst bis zur Struktur WEA

Am zweiten Tag wurden die verschiedenen Themen vertieft. Man informierte über die neue FSO 17 (Führung und Stabsorganisation der Armee), OF 17 (Operative Führung) und die TF 17 (Taktische Führung) ebenso wie über die neue Doktrin, die Struktur der WEA oder den Luftpolizeidienst. Zusammengefasst darf sicher gesagt werden, dass das Generalstabskorps offen und transparent über die anstehenden, grossen Aufgaben informiert wurde und die Anlässe – aus Sicht der meisten Teilnehmer, mit denen der Schreibende sprechen durfte – als Erfolg gewertet wurden. Seitens der anwesenden Gst Of wurde klar betont, dass man diese GstOf Seminare in zwei oder drei Jahren wiederholen müsste.

Das sieht offenbar auch die Armeeleitung ähnlich. Der Kdt Heer, Div Daniel Baumgartner erklärte: „Die Inputs der Gst Of öffnen den Blickwinkel und ergeben viel Mehrwert und der persönliche Austausch mit den GstOf ist sehr wichtig.“

Der Chef FUB, Div Jean-Paul Theler ergänzte dazu: „Ich empfinde es als ein Privileg, mich mit den Vertretern unseres Milizsystems auszutauschen. Gerade auch im Generalstabskorps. Denn GstOf sind für mich äusserst wertvolle Botschafter der Armee. Sie zeigen Flagge, indem sie sich für die Allgemeinheit weit über das normale Mass hinaus einsetzen. Zudem sind alle Generalstabsoffiziere gewöhnt, die Ärmel hochzukrempeln, anzupacken und die Armee vorwärts zu bringen. „Wenn wir Höheren Stabsoffiziere unseren Generalstabsoffizieren zuhören, Ihre Ideen aufnehmen und Kritiken ernst ehmen, dann laufen wir nie Gefahr, plötzlich im Elfenbeinturm zu sitzen. Gerade auch deshalb sind diese Anlässe unglaublich wertvoll für beide Seiten.“

Der C LBA, Div Thomas Kaiser, fasste den Tenor folgendermassen zusammen: „An den vier Gst Of Seminaren war der Wille spürbar, miteinander entschieden für die gemeinsame Sache einzustehen: nämlich die Sicherheit des Landes und eine starke Schweizer Armee. Die enge Vernetzung zwischen den Gst Of und den Höheren Stabsoffizieren beruht nicht nur auf Prozessen gemäss FSO. In dieser Schicksalsgemeinschaft kennen und schätzen wir uns gegenseitig.“

Bild: C Komm GGstOf

 

 

 

 

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Über Peter Stephani

Chef Kommunikation GGstOf
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Eine Antwort auf Als Offizierskader geschlossen in die Zukunft gehen

  1. Oberstlt i Gst Kaspar Hartmann sagt:

    Der Bundesrat und die Armeeführung sehen in der Umsetzung der WEA die einzige mögliche Option. Dies ist verständlich, hat man doch nun Jahrelang geplant und gearbeitet. Alles wird nun so dargestellt, als stünde die Armee bei einer Nichtumsetzung der WEA am Abgrund. Dies meinen leider auch viele Offiziere. Wie in anderen Bereichen der Politik tun wir gut daran, unsere eigene Meinung zu machen. Ich persönlich war auch Hin und Her gerissen. Weshalb? Natürlich möchte ich auch in Zukunft eine starke, gut ausgerüstete, glaubwürdige Armee. Die WEA würde auch Verbesserungen bringen. Die WEA fusst jedoch nicht auf einer sicherheitspolitischen Lagebeurteilung (was heute natürlich anders dargestellt wird), sondern orientiert sich einzig und allein an den Finanzen. Eine richtige sicherheitspolitische Lagebeurteilung kommt zwingend zum Schluss, dass es im Falle einer Krise oder eines Konflikts bei der Armee nicht nur Hightech-Ausrüstung, sondern auch Man-Power braucht. Deshalb: Ja, die Armee und ihre Organisation müssen verbessert werden, jedoch ohne den Abbau von Truppenstärke und zu viel der wertvollen Infrastruktur. Die WEA ist alles andere als zwingend. Setzen wir die WEA so um, heisst dies nichts anderes, als dass wir zugunsten anderer Politikbereiche (z.B. immer mehr Ausgaben im Sozialwesen) eine Schwachstrom-Armee akzeptieren wollen. Die Meinungen dazu gehen da sicher auseinander. Ich stehe dafür nicht ein. Ich sehe im Referendum zur WEA die Möglichkeit, den katastrophalen Abbau in der Armee, insbesondere von Truppenstärke zu stoppen. Die unterschiedliche Meinungen innerhalb des Offizierskorps sind im politischen Prozess normal und zu akzeptieren. Jeder soll sich als Bürger seine eigene Meinung bilden dürfen! Dies sollen bitte die Politiker und auch die Armeeführung akzeptieren!

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