Der Teufel (a D) hockt im Detail

Wie bezeichnet sich ein Angehöriger der Armee (alle Grade), wenn er aus der Wehrpflicht entlassen worden ist? Naheliegend ist es, im Reglement „Militärische Schriftstücke und Abkürzungen“ nachzuschauen. Dort steht folgendes:

deutsch: „ausser Dienst“ (a D)
französisch: „hors service“ (hors S)
italienisch: „fuori del servizio (fuori S)

Das Deutsche scheint klar zu sein und gibt zu keinen Beanstandungen Anlass (wobei „ausser Dienst“ ja gerade für eine Milizarmee die Norm darstellt und nicht unbedingt die Zeit nach dem aktiven Militärdienst bezeichnet).

Problematisch wird es im Französischen. Die Verwendung des Kürzels „à d“ (à disposition) wird häufig verwendet, ist aber falsch, denn es ist an sich nicht für die Phase vorgesehen, die oben angesprochen wird. Wenn der betreffende AdA „libéré des obligations du service militaire“ ist, kann er nicht „à disposition“ sein. Gemäss VOA, Artikel 6 lautet die offizielle Bezeichnung „hors du service“ (hors S). Diese Bezeichnung stösst nun aber bei unseren welschen Kameraden auf vehementen Widerstand, denn das erinnert allzu stark an „ausser Betrieb„. Der Unmut ist nachvollziehbar.

Interessant ist der Fall des Italienischen. In der VOA wird der Begriff „prosciolto dagli obblighi militari (pdo)“ verwendet. Im militärischen Reglement wird eine eigene Übersetzung verwendet. Etwas scheint auch hier nicht zu stimmen.

International treffen wir in der französischen Armee (für Offiziere) auf den Begriff „2ème section“ (2S), was uns doch sehr fremd anmutet. Im angelsächsischen Raum ist der Begriff „retired“ (ret.) gebräuchlich und jedermann verständlich.

Oder lässt man einfach dieses Anhängsel als Differenzierung ganz weg? Schliesslich kennen wir auch keine „Dr. iur. a D“ bei Akademikern im Pensionsalter. Ist man nicht sein ganzes Leben lang Offizier?

Fazit 1: Die Rechtsgrundlage (VOA) scheint klar zu sein. Das Reglement „Mil Schriftstücke und Abkürzungen“ scheint Mängel zu haben. Am heikelsten scheint mir die Lage im Französischen zu sein. Für das Italienische müsste man sich einig werden, was gilt. Oder könnten wir uns in allen drei Landessprachen für das international verständliche „retired“ (ret.) entschliessen?

Fazit 2: Zum Glück haben wir keine anderen Sorgen. Aber eben, der Teufel hockt im Detail und löst regelmässig Rückmeldungen von Mitgliedern aus. Im Zuge der nächsten Reglementsrevision könnte man Ordnung schaffen.

Welche Regelung bevorzugen Sie?

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6 Kommentare zu Der Teufel (a D) hockt im Detail

  1. a D stimmt an sich, allerdings war bis jetzt die ungeschriebene Regel dass dies nur bei HSO verwendet wird (Div a D) und nicht bei anderen Offiziersgraden.
    Damit habe ich dazu beigetragen dass es noch ein bisschen unübersichtlicher wird…… Ich meine aber immer noch dass man in einer Milizarmee den Grad bis zum letzten Tag hat.

  2. Rolf Hartl sagt:

    Sie haben Sorgen…wir stehen im Endkampf um allgemeine Wehrpflicht, Gripen, WEA (oder wie dieses vermaledeite Ding heisst) – und bei den Gst Of – ob aktiv oder a D – debattiert man über Abkürzungen – ein bisschen dekadent, nicht ? In der Sache dürfte die Lösung dieses Problems so manchem a D ziemlich egal sein….

  3. Tischhauser Heinrich sagt:

    Nach alter Order (Armee 62 usw.) war man als Offizier bis zu 35 Jahren und mehr im Dienst. Der Uebergang „aus der Wehrpflicht entlassen“ fand je nach Grad und Funktion ab dem 55. Altersjahr statt. Nach einer so langen Verweilzeit in der Armee war es dann zweckmässig, nach dem Ausscheiden aus der Wehrpflicht einen Vermerk zu finden. Und das a D hat sich dabei bestens bewährt. Mit der jüngsten Order ist das radikal anders. Die Offiziere scheiden altershalber in anderen Dekaden aus, so dass sich die Frage stellt, ob ein Vermerk „ausser Dienst“ überhaupt noch Sinn macht.

  4. Felix Hunziker-Blum sagt:

    +Ernst Mühlemann sagte man Eitelkeit nach, weil er betonte, dass er bis zu seinem Tod Brigadier bleiben werde. Formell hatte er aber wohl recht. Bis etwa zur Oswald-Reform wurden m.W. Stabs- und höh Stabsof nach dem Ausscheiden aus dem Kreis der Aktiven „zD“ gestellt (zur Disposition des Bundesrates, der sie befördert hatte), und weiter im Offiziersverzeichnis geführt, teilweise bis zum Alter 70 und drüber. Dann gab es m.W. keine Regelung mehr. Nach der Anpassung an Nato-Standards folgte offenbar die Bezeichnung „aD“, aus Deutschland wie die vielen Bierfeste.
    Rolf Hartl hat recht: für unsere Generation ist das kein Problem, sondern entweder ein Gutenachtgschichtli (er 21:49) oder eine morgendliche Fingerübung (ich 08:41).

  5. Dieter Wicki sagt:

    … danke für den literarischen Beitrag! Hat nicht Loriot einmal eine Literaturkritik des Fahrplans der deutschen Bahn vorgetragen?

  6. Antoine de Courten sagt:

    En matière de traductions militaires de l’allemand vers le français, je privilégie l’abréviation „à d“ au détriment du „hors S“ réglemenatire.

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