Gesucht: Kritische Geister

Kürzlich flatterte die Oktober-Ausgabe der Schweizer Zeitschrift SKYNEWS ins Haus. Als einer der mit dem „Virus aviaticus“ infiziert ist, blätterte ich rasch durch die Seiten. Der Artikel auf Seite 52 mit dem vielversprechenden Titel „Zukunft nach dem Gripen-Nein“ hat mich interessiert und ich las ihn vom Anfang bis zum Ende durch. Mich haben vor allem die Aussagen des Kdt LW und des VBS Departementschefs anlässlich des Informationsrapportes der Luftwaffe am 2. September 2014 in Payerne interessiert. Wurde hier jetzt endlich der schon lange erwartete Plan B skizziert?

von Roger Harr, Oberstlt i Gst a D *

Roger Harr

Roger Harr

Interessiert las ich die – Zitat aus SKYNEWS – „klaren Worte“ des Kdt LW bezüglich Ausserdienststellung der F-5 Tiger. Er sei „rigoros gegen eine Aufrüstung, und auch ein Weiterbetrieb ohne Modernisierung mache weder operationell noch betriebswirtschaftlich Sinn“. „Anstatt wertvolle Steuerfranken einem veralteten System hinterherzuwerfen, investieren wir diese Mittel besser in eine moderate Lebenswegverlängerung der F/A-18″ hat der Kdt LW eindringlich gemahnt und auch die Erwartung ausgesprochen, dass „die Reihen hinter diesem Entscheid geschlossen würden“. Tatsächlich, klare Worte!

Interessiert las ich auch die Aussagen des Departementschefs. Seine Aussage „wir müssen in Zukunft geschlossener auftreten“ stimmte mich nachdenklich. Ja schon, doch meinte er die Offiziere die vor der Gripen-Abstimmung für einen anderen Flugzeugtyp plädierten? Oder meinte er seinen eigenen Führungsapparat mit all den peinlichen Kommunikationspannen? War da vielleicht sogar etwas Selbstkritik in seinen Worten? Unterschreiben kann man sicher die Aussage des Departementschefs, dass es kaum mehr eine Umkehr zum Trend der stetig abnehmenden Anzahl an Kampfflugzeugen geben wird.

So weit so gut! Doch dann – kaum eine Stunde nachdem ich den Beitrag in SKYNEWS gelesen hatte – wurde um 1134 Uhr in der NZZ Online die Schlagzeile aufgeschaltet „Der Tiger fliegt vielleicht doch länger. Der Untertitel: „Ueli Maurer beugt sich der Tiger-Lobby. Neuerdings schliesst er eine Verlängerung der Einsatzdauer des alten Kampfjets nicht mehr aus. Eine Nachrüstung wäre aber Geldverschwendung, sagt Maurer.“ Die Tagesschau des Deutschschweizer Fernsehens setzte um 1930 noch einen drauf.

Was denn jetzt? Wo ist jetzt das vom Kdt LW beschworene „professionellere Projektmanagement“. Wieso diese Kehrtwendung, wenn es doch „betriebswirtschaftlich keinen Sinn macht“. Wo ist das „geschlossenere Auftreten“ welches der Departementschef verlangt hat?

Die Gripen-Abstimmung ist unter anderem bachab gegangen, weil chaotisch kommuniziert wurde und so in breiten Bevölkerungskreisen der Eindruck entstanden ist, dass „die da oben“ nicht wissen, was sie wollen. Als armeefreundlicher Bürger und Steuerzahler, als inaktiver Generalstabsoffizier, ehemaliger Zentralpräsident der AVIA-Flieger und als ehemaliges Mitglied der Luftwaffenkommission musste ich mich gestern Abend fragen, ob man aus dem Debakel denn wirklich nichts gelernt hat? Wurstelt man jetzt einfach plan- und konzeptlos weiter?

Auslöser für diese Zeilen war jedoch, dass ich eines Abends ob meinen eigenen Gedanken ziemlich erschrocken bin. Offizier ist eine Lebenseinstellung und von dem her ist man es auch sein Leben lang. War ich jetzt nicht unloyal? Wie lange darf ich als Offizier zusehen wenn ich das Gefühl habe es werde „da oben“ gewurstelt? Ich habe preussische Wurzeln und bin auch mit einem preussischen Loyalitätsverständnis gross geworden. Verbieten es mir die Grundwerte soldatischer Ethik nicht kritisch zu denken? Muss der Soldat kritiklos loyal sein oder darf er auch kritisch loyal sein? Ab wann wird es polemisch?

Als Unternehmer habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit meine ganze Führungsetage umgestaltet, habe alle Gummihälse, die Nicker und Jasager, entfernt und mich mit kritischen Geistern umgeben. Als Unternehmer verachte ich Unternehmenskulturen, in welchen kritisches Denken keinen Platz hat. Solche Unternehmen habe auch keine Perspektive. Welche Kommunikationskultur herrscht heute in unserer Armee? Wer führt eigentlich wen?

Auf dem Grabstein des Generalmajors Johann Friedrich von der Marwitz steht: „Er wählte Ungnade, wo Gehorsam nicht Ehre brachte.“ Eine der vornehmsten Aufgaben der Miliz ist es, unabhängig zu denken. Querdenkenden Milizoffizieren hat die Schweiz im letzten Weltkrieg unendlich viel zu verdanken. Wo sind die kritischen Geister heute? Wo ist die junge Generation Y in der Armee, die Fragen stellt und Sinn in ihrer Aufgabe sucht? Schauen wir alle wie  Schafe zu, wie bereits heute schlechte Rahmenbedingungen für die nächste Evaluation geschaffen werden?

Mir geht es nicht darum, die Berufsoffiziere gegen die Miliz auszuspielen. Ich habe in meiner Militärdienstzeit viele tolle, hochintelligente Berufsoffiziere mit Ecken und Kanten erlebt, aber auch viele, die wegen ihrer Karriere so stromlinienförmig wie eine nasse Seife geworden sind und auch als Korpskommandanten nur noch an ihre zukünftigen Verwaltungsratsmandate gedacht haben. Es geht mir in diesem Beitrag auch nicht darum für oder gegen die Weiterverwendung des F-5 Tiger zu plädieren. Jeder der nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, weiss sowieso, was zu tun wäre.

Die Politik muss Klarheit und Transparenz ihres politischen Auftrages an die Armee schaffen, damit das breite Volk ihn verstehen kann. Und Politik und Soldaten müssen unter den neuen globalen Voraussetzungen und Kriegsszenarien enger zusammenarbeiten, um historisch bedingtes, gegenseitiges latentes Misstrauen, auch gegenüber militärischem Führungsdenken, weiter abzubauen. Wenn die Politik dies nicht kann oder will, dann ist es für einen Offizier unehrenhaft zu schweigen und weiter zuzusehen, wie sich unsere Armee von innen selbst abschafft.

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* Roger Harr: Oberstlt i Gst a D, ehem. Kdt LW Na Abt 4 und Gst Of im Stab Ik Br 34; Dr. med. dent., Zahnarzt, Verwaltungsratspräsident Frenkenklinik; ESPRIX Award 2000 (Auszeichnung für das beste Schweizer Unternehmen aus allen Branchen), European Quality Award 2001 und European Quality Prize 2000.

Die Meinung des Autors muss nicht mit der Meinung des Vorstands der GGstOf übereinstimmen. 

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15 Antworten auf Gesucht: Kritische Geister

  1. Beda Düggelin sagt:

    Ein hervorragender Kommentar, danke Herr Harr!
    Sie bringen es auf den Punkt: Muss der Soldat kritiklos loyal sein oder darf er auch kritisch loyal sein? Wie lange darf ich als Offizier zusehen wenn ich das Gefühl habe es werde “da oben” gewurstelt?
    Was will der Kdt Lw mit seiner Botschaft? …hat der Kdt LW gemahnt und auch die Erwartung ausgesprochen, dass “die Reihen hinter diesem Entscheid geschlossen würden.” Sie stellen zwar zu Recht fest: Unterschreiben kann man sicher die Aussage des Departementschefs, dass es kaum mehr eine Umkehr zum Trend der stetig abnehmenden Anzahl an Kampfflugzeugen geben wird. – Ich gehe davon aus, dass Sie nur den Trend unterschreiben aber nicht die Botschaft!
    Nein, unterschreiben kann man diese Aussage nicht, denn das VBS wird mit dieser Aussage völlig unglaubwürdig! Da liegt eine Neubeschaffung von 22 Gripen auf dem Pult des Souveräns und nach der Abstimmungspleite will uns das gleiche VBS weismachen, dass auch 32 F/A für unser Land eine genügend grosse Luftwaffe darstelle….? Da lachen nicht nur die SP und die Armeeabschaffer, sie haben bereits ein weiteres Mal Recht bekommen! Damit kann wohl auch eine Gesamterneuerung der Flugwaffe ab 2025 durch eine Beschaffung von rund 50 Flugzeugen vergessen werden! Das VBS hat sich am eigenen Stuhl bereits mehr als ein Bein selbst abgesägt, der Stuhl (man kann auch von der Armee als ganzem sprechen) taugt nur noch sehr bedingt (Subsidäre Aufgaben), der „Point of no return“ ist praktisch überschritten!
    Es ist zu hoffen, dass die Bemühungen von SR Isidor Baumann noch in allerletzter Minute auch das Parlament aufrütteln werden, denn ein adäquates Retrofit-Programm für den Tiger F5-E stellt eine Sofortmassnahme dar, welche sich aufdrängt, weil der Bundesrat und Ueli Maurer über keinen Plan B verfügen. Es geht nicht um eine überdimensionierte Kampfwertsteigerung (das falsche Wort) des Tigers, davon kann nicht gesprochen werden, es geht darum, unsere F/A-18 zu entlasten und etwas zu schonen, durch eine Unterstützung durch den Tiger in der heutigen Zeit zur Luftraumüberwachung, es geht nicht um einen Kriegseinsatz! In der Zwischenzeit wird wohl auch der ganze Bundesrat seinen „Schlaf des Gerechten“ bezüglich Schweizerischer Sicherheitspolitik weiterführen. – Sic transit gloria Helvetia!

  2. Stelzer Willy P. sagt:

    Die Analyse von Oberstlt i Gst Roger Harr trifft voll ins Schwarze. Die Beispiele der Unfähigkeit der Armeeführung füllt eine lange Liste. Siehe die Widersprüche in der Armee-Materialvernichtung, die widersprüchlichen Aussagen an der GV OG Panzer am 6. März 2014 und Teil 2 des vom Ständerat im April behandelten Rüstungs-programmes Teil 2. Vierzehn Miliz-Organisationen unter Führung der AWM haben dann die geplante Eliminierung von 96 Leopard Panzern und 162 KAWEST Pz Hb M109, eingeschlossen die F-5/Tiger (Eliminierung noch nicht ausgestanden), verhindert. Die derzeitige Situation der Armee ist schlimmer als vor Ausbruch des 2. Weltkrieges, aber noch immer sind Bundesrat, Parlament und die Bevölkerung nicht erwacht. Offenbar findet der Krieg in der Ukraine nicht in Europa statt und die Vorwarnzeit beträgt immer noch zehn Jahre. Eine ganze Anzahl Führungspersonen haben nicht alle Tassen im Schrank. Gestatten Sie mir diesen Ausdruck: Er wurde von Bundesrat Ueli Maurer im letzten Jahr in Berlin im Zusammenhang des Beitritts der Schweiz in die EU verwendet.

  3. Lieber Kamerad Harr

    Ich unterstütze ihre Gedanken, die ja letztlich die Fragen zu einem Gewissenskonflikt beantworten, voll und ganz. Kritische Geister sind nötiger denn je. Ein Offizier ist dem Staat gegenüber verpflichtet und nicht Personen, die ein Amt innehaben. In Angelegenheiten der Armee wird die staatliche Idee in der Bundesverfassung Art. 58 ff . zum Ausdruck gebracht. Wenn man sich dieser Vorgaben/Aufträge in loyaler Verbundenheit und Verpflichtung annimmt, sind gegenüber der aktuellen Armeeführung und deren Projekte wie WEA etc. nicht nur „kritische Geister“ gefragt, sondern sogar vehementer Widerstand. Der aktuelle Zustand der Armee gewährleistet die Erfüllung des Art 58 BV und folgende in keinster Weise, und die vorgesehenen Veränderungsschritte entfernen die verbleibende Rumpfarmeee noch um Längen weiter weg von ihrer eigentlichen verfassungsmässigen Aufgabe. Jüngst produzierte Hochglanzprospekte, in denen die Grafik einen grösseren Platzanteil einnimmt als der Propagandatext, können das nicht weglächeln.
    Wer Offizier ist – in dem von Ihnen genannten Sinn – , hat in der gegenwärtigen Lage nicht nur eine Verpflichtung zu Kritik sondern zu Widerstand.

  4. Richard Maurer sagt:

    Zitat
    „Anstatt wertvolle Steuerfranken einem veralteten System hinterherzuwerfen, investieren wir diese Mittel besser in eine moderate Lebenswegverlängerung der F/A-18″ ….. “die Reihen hinter diesem Entscheid geschlossen würden”. Tatsächlich, klare Worte!“ Zitat Ende
    Wenn ich Herrn Harr korrekt verstehe, möchte auch er die aktuelle Flugwaffe weiter massiv verkleinern und dies unter fadenscheinigen Vorwänden. Es liegt doch auf der Hand, dass die verbleibenden 200 F-5 einen militärischen Faktor darstellen, der von einem potentiellen Gegner nicht vernachlässigt werden kann, auch wenn die Systeme nicht auf dem neusten Stand sind.
    Gehört Herr Harr wohl auch zum Kreis von Offizieren, die synchron mit den Prokonsuln aus der NATO/Partnership for Peace in unserem VBS ihr verräterisches Unwesen treiben. Klar ist, dass das Verschachern und Verschrotten von gut gewarteter Hardware in unserer Armee deren Kampfwert immer mehr verringert!

  5. Ernst Kägi sagt:

    Sehr geehrter Herr Harr
    Ich möchte mich dem Dank und der Unterstützung Ihrer Gedanken anschliessen.
    Zwar nicht GGstOf, aber Of a D, erlaube ich mir hier einen Kommentar.
    Das von Ihnen aufgezeigte Spannungsfeld, Loyalität gegen kritisches Mitdenken, ist mir aus Armee und Geschäftsleben persönlich sehr bekannt. Es ist ein Graubereich ohne klare Grenzen.
    Was aber vom VBS und von gewissen Politikern in Sachen Demontage der Armee veranstaltet wurde und wird, hat für mich nun die Grenzen klar aufgezeigt.
    Ich möchte Ihre Worte aufnehmen „Offizier ist eine Lebenseinstellung und von dem her ist man es auch sein Leben lang“. Als kritischer Bürger und Of a D fühle ich mich nun ganz klar der Kritik und dem Widerstand verpflichtet. Dementsprechend werde ich mich in Foren und Diskussionen einbringen.
    Und da die Hoffnung ja bekanntlich zuletzt stirbt und ich grundsätzlich Optimist bin hoffe ich darauf, dass es noch rechtzeitig gelingt, das Steuer herumzureissen.

  6. Roger HARR sagt:

    Sehr geehrter Herr Maurer

    Es geht in meinem Beitrag nicht primär um den TIGER. Es geht mir um die inakzeptable Art wie unsere politische und militärische Spitze kommuniziert und damit das erreicht was die Armeeabschaffer bisher nicht geschafft haben. Bitte highjacken Sie also nicht das Thema.

    Lesen Sie doch meinen Beitrag nochmals in Ruhe. Das von Ihnen genannte Zitat ist nicht von mir. Die von Ihnen genannte TIGER Stückzahl basiert auf einem Tippfehler in Ihrem Text. Und noch etwas: Glauben Sie ernsthaft, dass der ehemalige Zentralpräsident der AVIA-Flieger ein „verräterisches Unwesen“ zum Schaden der Luftwaffe betreibt?

    Also Herr Maurer: Ready – Aim – Fire und nicht Ready – Fire – Aim!

    Mit kameradschaftlichen Grüssen
    Roger HARR

  7. Was für ein Kontrast zur Armeespitze! Während der für Qualität mehrfach ausgezeichnete Unternehmer Roger Harr Ja-Sager und Abnicker aus seinem Unternehmen entfernt, wird die gesamte Armeeführung zu solchem Verhalten verknurrt (siehe NLZ von heute Sonntag). Welch‘ grosse „Böcke“ müssen hier wohl versteckt werden? Schliesslich wurde das Konzept „WEA“ doch von diesem Gremium abgesegnet. Wurde man von eigenen Mut verlassen?

    Seit Jahren gleich bleiben die Schlagworte jeder Reform: „bessere Ausbildung“, „flexibel einsetzbar“, „effizienter“, etc. Ob so viel Verbesserung müssten wir längst „die beste Armee der Welt“ haben. Doch die schnelle Abfolge von weiteren, tief greifenden Reformen seit der Jahrtausendwende, lässt vermuten, dass keine Reform genug gut war, dass sie länger als ein paar Jahre in Kraft bleiben durfte. Zu schnell hat man die fundamentalen Fehler bemerkt (aber selten auch öffentlich eingestanden). Und so muss man heute feststellen, dass keine der früheren Reformen (Armee 95, v.a. aber Armee XXI und ES 08/11) die in sie gesetzten Erwartungen je erfüllt hat. Ob dies an den fehlenden, kritischen Geistern liegt, welche schon fast systematisch mundtot gemacht werden?

    Wenn Milizgremien mit hohem Sachverstand, Erfahrung und bester Vernetzung nur noch als Feigenblätter dienen, um unausgegorene „berner“ Konzepte abzusegnen, dann kann man auf sie sehr gut verzichten. Mit der Auflösung der „Sachgruppe Strategie“ (dem Think Tank des GSC bzw. CdA) ist man diesen Weg gegangen. Ob dies indess zur Effizienz beigetragen hat, wage ich zu bezweifeln.

  8. Gygax Markus sagt:

    Exzellente Analyse, Roger. Gratuliere.
    Ergänzend zum F-5 lässt sich folgendes bemerken:
    Es geht mit dem F-5 darum, mehr Flugzeuge zur Verfügung zu haben für,
    – eine Entlastung der teureren F/A-18 (weniger F/A-18 Stunden bedeutet eine länger Lebensdauer),
    – eine ausreichende und optimale Zieldarstellung zugunsten der F/A-18 und der Fliegerabwehr,
    – einen Luftpolizeidienst in Friedenszeiten bei Tag und Schönwetter,
    – einen Schleppflugdienst für das Luft-Luft-Schiessen, und zu guter Letzt,
    – eine Patrouille Suisse auf Jet.
    Eine Luftwaffe braucht eine ausgewogene Qualität und Quantität!
    Die US Air Force kaufte uns schon 44 F-5 zurück und sie möchte weitere. Wozu? Für eine ideale Zieldarstellung ihrer modernen Kampfflugzeuge.
    Die F-5 (etwa 20-30 wären für unsere Luftwaffe genügend) ersetzen keine modernen Kampfflugzeuge, aber sie entlasten sie und lassen die Piloten optimal trainieren.
    Eine neue Lage (nach dem Volksentscheid) verlanget eine neue Lagebeurteilung, und dabei sind alle Komponenten zu berücksichtigen!

  9. Urs Tischhauser sagt:

    Lieber Herr Alt KKdt Gygax
    Man muss ja wirklich nicht einmal GSt Of sein um zu begreifen, was Sie geschrieben haben. Wieso dringt dies aber nicht in die Köpfe der Verantwortlichen vor? Es wird im VBS auf Teufel komm raus verkauft und verschrottet, als sei man eine Brockenstube. Kein Aussenstehender käme bei diesem Treiben darauf, dass dies eigentlich „der Laden“ sein sollte, welcher uns in einem Katastrophen-, Krisen- oder Kriegsfall schützen sollte.
    Man benimmt sich wie ein störrisches Kind, welches das gewünschte Spielzeug nicht gekriegt hat, anstatt man wie von Ihnen verlangt, eine neue Lagebeurteilung macht!
    Ich denke, gerade auch das GSt Of Korps ist gefordert, sich eben auch politisch zu engagieren, damit die Fehler der letzten Jahre rückgängig gemacht werden können und verhindert, dass andauernd neue gemacht werden!

  10. Roger HARR sagt:

    Danke Markus

    Wenn die Politik – losgelöst von der internationalen Lage – der Meinung ist, dass es zur Zeit nach wie vor um Luftpolizeieinsätze oder den Schutz des WEF bzw. der nächsten Fussball EM geht, dann bleibt uns doch nichts anderes übrig als den F/A-18 mit dem TIGER in einigen Szenarien und Aufgaben sinnvoll zu ergänzen.

    Es reicht nicht, wenn von der Kanzel gepredigt wird, dass der weitere Betrieb des TIGER wirtschaftlich und operationell keinen Sinn macht. Um Überhaupt eine Diskussion über den weiteren Verbleib des TIGER zu führen ist ein offene betriebswirtschaftliche Analyse über die Gesamtkosten des weiteren TIGER-Einsatzes notwendig. Dies unter Berücksichtigung von:

    1. Umbaukosten (Summe der Kosten pro Flugzeug): Hier geht es bei den von Dir genannten Aufgaben sicher nicht um die vom Departementschef genannte eine Milliarde.
    2. Betriebskosten für die voraussichtliche Lebensdauer der TIGER (Kosten/Flugstunde).
    3. Einsparungen durch die reduzierten Betriebsstunden des F/A-18.
    4. Erhalt der Arbeitsplätze der logistischen Basis der Armee und der industriellen Basis welche für den weiteren Betrieb der TIGER notwendig ist. Beide brauchen wir nämlich wieder falls wir eines Tages doch 50 Kampfflugzeuge beim F/A-18-Ersatz hätten.

    Es interessieren ganz einfach die Lösungen die am meisten „bang for the buck“ liefern. Und wenn wir erst in fünf Jahren wieder mit einer neuen Evaluation beginnen, dann wird es ab heute 15 Jahre gehen, bis die ersten Nachfolger der F/A-18 ausgeliefert werden und 18 bis 20 Jahre bis die F/A-18 vollständig ersetzt sind. Wenn wir die Zellen der F/A-18 jetzt ausringen stehen wir dann plötzlich mit kurzen Hosen da.

    Wir reden von grossen Zeiträumen. Als Zahnarzt wage ich zu behaupten, dass den meisten von uns die Zähne in 20 Jahren nicht mehr weh tun werden. Trotzdem haben wir heute eine Verantwortung für die Sicherheit dieses Landes in der Zukunft.

  11. johannes fischer sagt:

    Ohne zur eigentlichen Sache Stellung nehmen zu wollen, möchte ich doch meiner Freude darüber Ausdruck geben, dass endlich, ja endlich diskutiert und Klartext gesprochen wird zu den unglaublichen Vorgängen im Bundesrat, im Parlament und vor allem im VBS, wenn es um die Landessicherheit geht, die im Krisenfall einzig durch unsere Milizarmee wahrgenommen werden kann und muss.

    Das wohl Schlimmste ist, wie man die Schweizer Milizarmee, deren Aufgaben und deren Wesen in der Bundesverfassung festgeschrieben sind, mit der Festlegung zu Mannschaftsstärke und finanziellen Mitteln zur Erfüllung eines Auftrages zwingen will, den sie mit den von der Politik festgelegten Vorgaben gar nicht erfüllen kann. Das Perfide dabei ist, dass die Politiker es wissen und in Kauf nehmen. Sicherheitspolitik ist eben nicht sehr populär. Man kann sich mit ihr kaum profilieren, höchstens im Abbau der Verteidigungsfähigkeit. Sie unterstützen lieber Vorhaben, die von den links geprägten Medien als „in seiend“ erklärt werden. Es geht doch um die Wiederwahl. Würde eine Unternehmung so ihre Probleme lösen, wäre es ihr Untergang programmiert.

    Zur Führung des VBS schweigt des Sängers Höflichkeit. Die obigen Beiträge genügen.

  12. Danke, Roger, für Deine treffende Analyse und die klaren Antworten !
    Leider ist der beschriebene Weg, möglichst nicht anzuecken, in allen Bereichen der Politik anzutreffen (der Wiederwahl zuliebe). Uns geht es in der Schweiz einfach noch zu gut und daher sind wir nicht nur bequem geworden (sprich: Stimmbeteiligung unter 50 %), sondern werden auch denkfaul: Das Undenkbare denken und sich darauf vorzubereiten ist nicht mehr gefragt !
    Als GST Of aD frage ich mich oft, wieso die Armee sich seit meiner „Pensionierung“ so rapide geändert hat. Ich hätte heute jedenfalls Mühe mit diesem schwankenden Kurs der Armeeführung.
    Meines Erachtens ist es nicht opportun, nur der Politik die Schuld am ganzen Debakel zu geben: Eine geeinte Offiziersschaft und ein Departement, welche vereint und vor allem bestimmt ihre Meinung vertreten und durchziehen, ist nun dringend nötig. Ich bin überzeugt, dass wir so der Politik die Stirne bieten könnten !

  13. Kaufmann Gotthard sagt:

    Endlich wird Klartext geredet, was wir als Gruppe Giardino schon seit Jahren machen.
    Dafür wurden wir belächelt und ausgegrenzt und in die Ecke, alte ,kalte, Krieger gestellt. Auch als Offizier, welcher 100% zum Land und der Armee steht, ist kritisches Denken gefragt, nein gerade zu verlangt und Bürgerpflicht. Das ist der grosse und nicht ersetzbare Vorteil der Milizarmee. Das bewart eine Armee vor Kadavergehorsam
    und Absturz bis zum Kriegsverbrechen.

  14. Pingback: Prominenter Fürsprecher für die Tiger-Flotte – Gruppe-Giardino.ch | Was war heute? Mein Leben zwischen Familie, Armee und Universität

  15. Egli Rudolf sagt:

    Lieber Roger
    Als Bürger und Offizier (aD, nicht Gst) kann ich Deinen Ausführungen und Gedanken bestens folgen – als Berufspilot und Unternehmer erst recht. Unglaublich was sich unsere “ Obrigkeiten“ so alles ausdenken und die aktuellen Ereignisse und die Geschichte des Abendlandes scheinbar völlig ausblenden – quo vadis? Der Abbau an Flugzeugen und Helikoptern hat schliesslich auch zur Folge, dass künftig noch weniger Piloten ausgebildet werden. Somit nicht nur ein Verlust an Schlagkraft und Abschreckung, sondern auch ein Verlust an Know-how und an Ausbildungsmöglichkeiten – somit auch Motivation – für unseren Nachwuchs. Wo bleiben die Chancen für unsere Jungen? Wo bleiben die Möglichkeiten für eine Ausbildung zum Piloten für die unzähligen begeisterten AnwärterInnen? Und wer soll und kann künftig noch Jets und Helis fliegen (können)? Einmal mehr ein grosser Verlust an Kompetenzen und Fähigkeiten, welche schlussendlich zum Schutz unseres Landes, unserer Werte und unserer Traditionen verlustig gehen (werden).

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