Herausforderungsreiches 2014

Sehr geehrte Generalstabsoffiziere, geschätzte Kameraden

CdAIch wünsche Ihnen auf diesem Weg ein frohes Neues Jahr und hoffe, dass Sie und ihre Familien sich über die Festtage gut erholen konnten. Für mich persönlich waren die Feiertage eine willkommene Gelegenheit, mich – nach dem intensiven Jahr 2013 mit dem Hauptfokus „Wehrpflicht“ – gedanklich auf das ebenso herausfordernde Jahr 2014 mit den Themen „Gripen“ und „Weiterentwicklung der Armee (WEA)“ auszurichten. Der vorweihnächtliche Truppenbesuch bei unseren Soldaten im Kosovo hat mich aber auch wieder an die Ernsthaftigkeit unseres Tuns erinnert und mir einmal mehr deutlich gezeigt, weshalb wir uns täglich für Sicherheit und Freiheit einzusetzen haben.

Die Gripenbeschaffung tritt in die letzte Entscheidungsphase. Nachdem wir die Evaluation erfolgreich abgeschlossen haben und die Beschaffung nach ausgiebiger Prüfung durch Parlament und Bundesrat beschlossen wurde, hat nun der Schweizer Stimmbürger das letzte Wort. Ich bin froh, dass wir dieses Geschäft mit einer Abstimmung zusätzlich legitimieren können.

Dementsprechend bin ich auch sicher, dass wir unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger von der Notwendigkeit dieser Langzeitinvestition überzeugen können. Da wir alle nicht wissen, was uns die Zukunft bringt, müssen wir unsere einzige Sicherheitsreserve – unsere Milizarmee – als Gesamtsystem glaubwürdig entwickeln. Damit sich unsere Truppen am Boden sicher und geschützt bewegen können und dadurch unsere kritische Infrastruktur nutzbar bleibt, muss der Luftschirm auch in einer erhöhten Bedrohungslage und nicht nur im Courant normale gewährleistet werden. Das absolute Minimum dafür ist ein adäquater Teilersatz unserer 54 veralteten Tiger durch 22 moderne Gripen Kampfflugzeuge.

Die WEA ist das zweite Hauptthema der Armee in diesem Jahr. Sie ist ein wichtiger Schritt. Obwohl unsere Sicherheitsreserve quantitativ erneut kleiner wird, erlaubt sie in drei wichtigen Bereichen eine deutliche Erhöhung der Leistung. Erstens ist durch die Verbesserung der Ausbildung (vollständige Rekrutenschule auch für diejenigen AdA, welche weitermachen; komplettes Abverdienen des letzten Grades der Kadergrundausbildung; Verlängerung des Kadervorkurses auf eine Woche) insbesondere das Kader besser in der Lage, die Mannschaft in Schulen und Kursen auszubilden. Dies führt nicht nur zu einer besseren Grundausbildung in der heutigen Lage, sondern schafft auch bessere Voraussetzungen für eine allfällige einsatzbezogene Ausbildung. Zweitens wird sich durch die Wiedereinführung der Mobilmachung für die Teile der Armee, welche Einsätze aus dem Stand leisten müssen, die Bereitschaft wesentlich verbessern. Und drittens erlaubt uns das neue Budget der Armee mittelfristig endlich wieder die vollständige Ausrüstung der Einsatzverbände.

Unabhängig von diesem zwingend rasch umzusetzenden Weiterentwicklungsschritt unserer Armee entfaltet sich die notwendige Diskussion um den Begriff „Verteidigung“. Hier ist es – als aktive oder ehemalige Kader der Armee – unsere Aufgabe, die Diskussion mitzugestalten und zu erklären, wie sich die Mittel der Verteidigung im Laufe der Zeit verändern. Weltweit verkleinern sich die Potentiale an schweren Kampfmitteln, während gleichzeitig eine substantielle Steigerung der Fähigkeiten im virtuellen Raum auszumachen ist. So kann heute einem kombinierten Luft-/Bodenangriff eine Abfolge von Cyberattacken vorangehen, welche die zivile und militärische Infrastruktur so massgeblich schwächen können, dass eine erfolgreiche Verteidigung mit konventionellen Mitteln ohne einen wirksamen Schutz der Informatiksysteme praktisch verunmöglicht wird. Es ist deshalb für die Landesverteidigung von einem umfassenderen Begriff für Verteidigung auszugehen: Es geht ganz generell um den Schutz von Land und Leuten. Dafür brauchen wir wieder das Verständnis für eine ganzheitliche Verteidigung und die Zusammenarbeit aller sicherheitspolitischen Mittel. Die Armee ist dabei nach wie vor das einzige Instrument, welches grundsätzlich auf die Bewältigung von ausserordentlichen Lagen bis hin zum Krieg zuständig und befähigt ist.

In diesem Sinne freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen bei der Weiterentwicklung der Doktrin und den daraus entstehenden Grundlagen für Einsatz und Ausbildung.

Ich danke Ihnen für Ihr Engagement im vergangenen Jahr und freue mich mit Ihnen zusammen auf die Herausforderungen 2014.

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3 Kommentare zu Herausforderungsreiches 2014

  1. Hermann Suter sagt:

    Der CdA ist wahrlich nicht zu beneiden. Und viele Beamte des VBS (mitsamt ihrem Chef Maurer) sind es auch nicht. Sie müssen vollziehen, was ihnen die Hohe Politik befiehlt. Ob der Krug dann brechen wird, ist nicht ihre Frage. Aber den Weg bis zum Brunnen haben diese loyalen Persönlichkeiten zu gehen. Die Gründe hiefür sind bekannt. Die Mehrheit der Landesregierung will der Armee die nötigen Mittel weiterhin vorenthalten und hofft insgeheim wohl nicht nur auf einen „EU-„, sondern auch auf einen „NATO-Schirm“? Honny soit, qui mal y pense!
    Natürlich sind die ersten Angriffsobjekte stets die sämtlichen Kommunikationseinrichtungen eines potentiellen Gegners. Diese selbstverständliche Tatsache betrifft in erster Linie hochtechnologisierte Zivilisationen – wozu die Schweiz (noch) gehört. Deshalb handelt die Armeeleitung richtig, wenn sie in diesem Bereich vorsorgliche Massnahmen trifft. Es wäre allerdings naiv zu glauben, dass der moderne Gegner auch die nunmehr in Auftrag gegebenen „geschützten Leitungen“ nicht früher oder später zu knacken wüsste. Hingegen zeige etwa der Kampf der Amerikaner in Afghanistan (oder vor einiger Zeit im Irak), dass die Zerstörung der Kommunikation das Eine, die Beherrschung,bzw. die „Säuberung“ des Bodens die andere Sache ist! Keine Geiss von der Welt schleckt es weg, dass die US-Armee den jahrelangen Krieg gegen die „computerlose Taliban-Streitkräfte“ verloren hat. Gleiches gilt von der modernst ausgerüstesten syrischen Armee im Kampf gegen Isis usw. (Man lese dazu den Artikel „Der Krieg der Illusionen“ – http://www.gruppe-giardino.ch) Die Lehre daraus: Am (bitteren) Ende entscheidet der ganz gewöhnliche (aber ausgebildete und ausgerüstete – und von schweren Mitteln unterstützte) INFANTERIST!
    Die WEA halbiert zum vierten Mal die Zahl eben diese Infanteristen! DAS KANN DEFINITIV NICHT GUT GEHEN! De facto wird deren Ausbildung VERKÜRZT. Die Selektion von guten Führern wird mit einer 100’000erAda-Armee massiv erschwert und die Ausrüstung wird nicht in dem Masse vervollständigt, bzw. erneuert, wie es die Offiziere und Soldaten – und letztlich das immer schutzlosere Volk! – verdient hätten. Schlimmer noch: Geschützte Anlagen sollen gemäss neuem Stationierungskonzept liquidiert werden. Dieses „Sündenregister“ erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
    Was die Mobilisierung anbetrifft: Nur eine Berufsarmee könnte rasch mobilisiert werden. Die Schweiz hat es bis zur Reform 95′ fertiggebracht, Selbst eine Milizarmee innert 48 Stunden zu mobilisieren. Rote Mob Zettel im DB, „AÏDA“ usw. lassen grüssen. Die neuerdings geplante „abgestufte Mobilisierung“ greift definitiv zu kurz. Und dies erst recht bei gerade einmal „nur noch 100’000AdA“. Entweder kann die Milizarmee ALS GANZES innert 48 Stunden antreten, oder sie bleibt gescheiter zu Hause. FAZIT: Der Verteidigungsbegriff muss keineswegs neu definiert werden. Hingegen ist die geplante WEA zu stoppen und fundamental zu überarbeiten. Bis heute hat mich Niemand von der Richtigkeit dieser Forderung argumentativ abzubringen vermocht. Man schaue der Realitäten endlich ins Gesicht! Jeder Offizier – und insbesondere jeder Generalstabsoffizier – muss ehrlicherweise zugeben, dass der vielzitierte „Eintrittspreis“ im Zuge der gescheiterten Reformen 95′, Armee XXI, Entwicklungsschritt 08/11 und jetzt WEA auf NULL abgesunken ist. Es ist extrem zu bedauern, dass unsere Berufs- und Milizkader und die zigtausend Milizsoldaten insgesamt guten und aufopfernden Dienst leisten, aber gleichzeitig von der hauptverantwortlichen Politik seit Jahrzehnten im Stich gelassen werden. Land und Volk werden für diese verfehlte (verfassungswidrige!) Sicherheits- und Armeepolitik einen teuren Preis zu bezahlen haben. Wir können nur noch hoffen und beten, dass die heutige Armee nicht den Tatbeweis erbringen und vollständig mobilisiert werden muss. Die ganz grossen „Polit-Astrologen“ fabulieren (sogar in „angesehenen Medien“), dass ein Krieg in Europa innert der nächsten „30-40 Jahren überhaupt kein Thema“ sei. Wohlan! Hoffentlich haben diese Hellseher recht. Andernfalls sind unsere Kinder und Kindeskinder die Leidtragenden und bestimmt nicht jene Kreise, welche die Schweizer Armee seit 1990 in eine so bösartige Schieflage manövriert haben. Vincit Veritas! Die Wahrheit wird siegen. Hermann Suter, Präsident Gruppe GIARDINO.

  2. de Courten Antoine sagt:

    Monsieur Dujardin,

    dans le scénario le pire, vous n’avez peut-être pas tort. Mais entre la paix et ce scénario, il y a bien une immense marge. A titre privé, vous contractez une asssurance pour chaque worst case dans tous les domaines ?
    Cessons de nous appuyer uniquement sur les conceptions datant de la guerre froide, abandonnons les combats d’arrière-garde – car le vôtre en est un – et regardons en avant.
    Et faisons confiance en nos penseurs militaires en charge. Ils sont au moins aussi intelligents que nous – ce qui n’est pas peu dire …

    D’accord ? Meilleurs messages Antoine

  3. Hermann Suter sagt:

    Guten Tag lieber Herr de Courten,
    NEIN – ich bin mit Ihrer Replik nicht einverstanden. Ich zweifle auch keineswegs an der Intelligenz und am guten Willen jener Persönlichkeiten, welche als Berufsoffiziere heute die „moderne Armee denken und weiterentwickeln“. Hingegen bin ich restlos überzeugt, dass diese Persönlichkeiten zu ganz anderen Schlussfolgerungen und im Zuge derselben zu ganz anderen Forderungen bezüglich der Weiterentwicklung der Armee kämen, wenn ihnen nur die „hohe Politik“ endlich jene Mittel und Rahmenbedingungen gäbe, welche sie wirklich für den Wiederaufbau einer glaubwürdigen Armee bräuchten. Exakt diese Möglichkeiten werden der Armee (bis inkl. dem C VBS und dem CdA) vom Gros der Landesregierung und Eidg. Räten VORENTHALTEN. Notabene zum ganz grossen Schaden für die Sicherheit von Land und Volk! Leider MÜSSEN die Planungsverantwortlich tun, was ihnen durch den Primat der Politik befohlen wird und so sinkt der Eintrittspreis in die Schweiz militärisch auf NULL. Das kann und wird am Tage X ins Auge gehen.
    Im übrigen vertrete ich nach wie vor die Meinung, dass der vielzitierte „Kalte Krieg“ nie aufgehört hat! Seit 1945 ist dieser Krieg im Gange. Dessen Intensität wird täglich sogar grösser – NSA lässt grüssen.
    Wir beide kennen das römische Sprichwort: „Si vis pacem para bellumg“ – Wenn Du den Frieden willst, bereite Dich auf den Krieg vor. Mit der geplanten WEA-Reform und dem ebenso geplanten „neuen Stationierungskonzept“ ist die heutige Schweiz im allgemeinen und die Milizarmee im speziell leider meilenweit von dieser uralten, zigfach empirische bewiesenen (römischen) These entfernt! Vincit Veritas!
    Mit freundlichem Gruss, Hermann Suter

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