Information tut Not

CdADie Diskussionen in den Eidgenössischen Räten mitzuverfolgen gibt einem immer wieder Hinweise für das eigene Denken und Handeln. In der letzten Session war das Thema Wehrpflicht im Nationalrat eine wahre Fundgrube von interessantem Gedankengut, in der laufenden Session ist es das Thema Tiger-Teilersatz (TTE) im Ständerat.

In meiner Funktion habe ich selbstverständlich die demokratischen Entscheide zu akzeptieren. Das tue ich denn auch ohne Einschränkung. Ich setze mich aber auch mit den Argumenten – Sie können diese den Wortprotokollen der Sessionen entnehmen (Wehrpflicht SR, Gripen SR, Motion Bieri SR) – auseinander, welche hüben und drüben ins Feld geführt werden.

Wer klar und nachvollziehbar darstellt, warum er für oder gegen ein Geschäft ist, hat selbstverständlich meine volle Achtung.

Haben Sie die folgenden Voten mitbekommen, beim Thema Wehrpflicht z.B.: „… und wenn es dann die Situation erfordert, so kann man die Wehrpflicht ja wieder einführen…“.

Oder zum Thema TTE, man habe nur Geld für das Notwendige, und dazu würden Kampfjets in den nächsten 20 Jahren definitiv nicht gehören; militärische Bedrohungen seien so wahrscheinlich wie ein Fliessen der Aare Richtung Alpen; die Wahrscheinlichkeit einer Luftschlacht über dem Mittelland sei gleich Null…

Diese kurzen Ausschnitte zeigen, dass sich die Votanten wohl kaum mit der Vergangenheit auseinander gesetzt hatten: Die Eidgenossenschaft ist in ihrer jüngsten Vergangenheit mindestens 3 x (1870/71, 1914/18 und 1939/45) knapp an einer militärischen Auseinandersetzung vorbei geschrammt; jedes Mal wurde in der Schweiz nach dem Motto „seule la catastrophe est mobilisatrice“ reagiert. Und warum soll die heutige Situation, in der vielen Menschen Europa als friedliche Insel der Glückseligen erscheint, besser sein, als in den jeweiligen Vorkriegsjahren? Sind die Risiken wirklich vom Tisch?

Darum scheinen mir die Vorhersagen für die Zukunft ganz besonders gefährlich. Jene, welche militärische Risiken oder Sicherheitsrisiken unterhalb der Kriegsschwelle nicht wahr haben wollen, müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein: Was im Sicherheitsbereich – und unsere Milizarmee ist die einzige Sicherheitsreserve in unserem Land, welche sich gemäss Verfassung für das ganze Spektrum von möglichen Einsätzen vorzubereiten hat – heute entschieden wird, ist erst in der übernächsten Legislatur umgesetzt! Vorausschauende, mutige Entscheide und Erläuterungen zu Handen der Bevölkerung sind nötig.

Das ist nicht einfach, zumal Ausgaben für anderes vielleicht besser ankommen. Informationen sind auch darum nötig, weil gerade den jungen Mitbürgerinnen und Mitbürgern diese Themenbereiche weder in den Mittelschulen noch in den Berufsschulen vermittelt werden. Aus diesen Gründen haben die HSO den Auftrag, unsere aktuellen Themen zusammen mit den Risiken und Bedrohungen mit den Kompanien in Schulen und Kursen zu besprechen. Merci, wenn Sie diesen Effort in Ihrem Bereich leisten. Vielleicht sind dazu die Informationen, welche ich am letzten Korpsgeist-Anlass geben konnte, hilfreich.

Die Kolumne des CdA erscheint vierteljährlich.

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4 Kommentare zu Information tut Not

  1. Es ist eine grosse Chance für die Armee, dass sie einen Armeechef hat, der klare Worte spricht.

  2. Jonas sagt:

    Der Armeechef führt Argumente ins Feld, an denen es anderen Individuen zu fehlen scheint. Alle Politiker die der Meinung sind, dass es nichts anderes ausser konventionelle Kriegsführung gäbe, scheinen sich gewaltig zu täuschen. Asymetrische Konflikte haben sich in den letzten 15 Jahren gehäuft und unsere vernetzte, von Computern abhängige Infrastruktur bietet eine riesige Angriffsfläche.

    Mir wurde einmal gesagt: „Nur weil du keine Bedrohung siehst, heisst das noch lange nicht, dass auch keine existiert.“

  3. Pingback: Pensieri sulla politica di sicurezza della Svizzera | Opinione 67

  4. Klare Worte um die aktuelle Situation zu beschreiben und Änderungen zu initiieren. Ich hoffe, daraus wird was, weil die Armee endlich mal reformiert werden müsste.

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