Neue Planungsvorgabe „Kopfstruktur“ der Schweizer Armee

Gestern wurde die neue Planungsvorgabe „Kopfstruktur“ der Schweizer Armee bekannt, welche auf den Eckwerten CHF 5,0 Mia. und 100’000 AdA basiert.

Kopfstruktur als PDF

Der CdA führt dazu im Begleitbrief aus:

Wie Sie wissen, sollen die im Rahmen der Weiterentwicklung der Armee von Bundesrat und Parlament getroffenen Entscheide frühestens ab 2015 umgesetzt werden. Von der künftigen Kopfstruktur der Armee hängen etliche andere Teilprojekte ab, weshalb wir diesbezüglich rasch genehmigte Planungsvorgaben benötigen. Dies ist jetzt geschehen: Der Chef des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, Bundesrat Ueli Maurer, hat am 1. März 2012 die beiliegende Planungsvorgabe festgelegt. Nachstehend einige Erläuterungen:

Der CdA nimmt die Aufgaben auf militärstrategischer Stufe wahr und verfügt dazu über den Militärstrategischen Stab (MSS), welcher neben einem Kernstab hauptsächlich aus Milizoffizieren besteht.

Die Kopfstruktur sieht vor, dass im Hauptquartier der Armee die Aufgaben wie bis anhin vom Armeestab für (querschnittliche) Vorgaben und betriebswirtschaftliche Steuerung und von den Operationen (FST A) für Einsätze wahrgenommen werden. Neu ist sodann die grundsätzliche Unterteilung in Ausbildung, Einsatz und Unterstützung.

Der Chef Führungsstab übernimmt de facto die Funktion eines Chefs Operationen (C Op) und ist im Auftrag des CdA für die Führung der Einsätze zuständig. Dem C Op sind die permanent im Einsatz engagierten Bereiche Militärische Sicherheit und SWISSINT unterstellt.

Dem Chef der Armee direkt unterstellt ist neu ein Ausbildungschef; diesem direkt unterstellt sind die Höhere Kaderausbildung der Armee (HKA) und die Lehrverbände sowie die übrigen Kompetenzzentren. Der Ausbildungschef steuert auch die Ausbildung der gesamten Armee und damit die Nutzung der Infrastruktur. Zudem ist er damit für die Einsatzsteuerung des Gros der Berufsmilitärs verantwortlich. Der Kdt HKA ist auch Stabschef Operative Schulung (SCOS) mit dem zugehörigen Milizstab.

Wie bis anhin direkt dem Chef der Armee unterstellt sind der Kommandant Heer und der Kommandant Luftwaffe, allerdings konzentriert auf die Einsatzverbände und deren Training. Direkt dem Kommandant Heer unterstellt sind die zwei mechanisierten Einsatzverbände, die Kommandanten der vier Territorialregionen und das Kommando Spezialkräfte; die Truppen zur Unterstützung der zivilen Behörden sind direkt den Kommandanten der vier Territorialregionen unterstellt bzw zugewiesen, womit die regionale Verankerung der Verbände verstärkt wird.

In der Luftwaffe eingeteilt sind neben den fliegenden Komponenten insbesondere die Flugplatzkommandi, die Flab Formationen sowie die restlichen einsatzrelevanten Milizver- bände der Luftwaffe.

Als Teilstreitkräfte (TSK) können Heer und Luftwaffe nicht bezeichnet werden, weil die Leistungen aufgrund knapper Unterstützungsmittel nicht eigenständig erbracht werden können. Heer und Luftwaffe enthalten die Grundstruktur als Einsatzverband Boden bzw Luft.

Die Chefs von Führungsunterstützungsbasis und Logistikbasis sind für Unterstützungsleistungen in ihrem Bereich zugunsten der ganzen Armee – Ausbildung und Einsatz – zuständig, inklusive der entsprechenden Milizverbände.

Die obengenannten Erläuterungen beziehen sich auf die Armee mit den Eckwerten 100’000 AdA und 5 Mrd CHF Finanzrahmen. Würden diese Zahlen den neuesten Diskussionen folgend reduziert, so hätte dies auf die Struktur erneut Einfluss. Insbesondere gäbe es im Bereich Einsatz weitere Zusammenlegungen.

siehe auch frühere Beiträge zum Thema „Kopfstruktur

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10 Antworten auf Neue Planungsvorgabe „Kopfstruktur“ der Schweizer Armee

  1. Oberstlt i Gst Michel Dékany sagt:

    Die Planungsvorgabe ist ein Entscheid den es nun umzusetzen gilt. Wir sollten alle unsere Energie auf die Realisierung konzentrieren, anstatt den Entscheid zu kommentieren und zu werten!

  2. Knutti Walter sagt:

    Sehr geehrter Herr Oberst
    Es mag ja sein, dass Sie in der Kopfstruktur schon Ihren Platz gefunden haben und diesen nicht verpassen möchten, aber es gibt nicht nur Militärs, die noch an ihrer Zukunft arbeiten (ich muss annehmen, sie arbeiten in einem Stab CdA), es gibt auch noch Schweizer Bürger und ehemalige Offiziere der Schweizer Armee, denen nichts mehr an einer eigenen Karriere im System liegt, sich aber vor allem für eine starke Armee und natürlich eine gut führbare Armee einsetzen. Mit Verlaub, dem Leser einen Kommentar oder gar eine Wertung zu verbieten ist unschweizerisch, undemokratisch und unhaltbar. Die Armee braucht nicht nur Nicker. Dass Sie persönlich an die Realisierung und den Entscheid tragen müssen, steht ausser Diskussion.
    Ich erlaube mir deshalb eine Meinung zu äussern.
    Die Kopfstruktur ist durchdacht und macht das Führen der Armee endlich auch stringent. Die (wieder) Einführung eines Ausbildungschefs ist zwingend. Der Ansatz ist aus meiner bescheidenen Sicht Richtig! Ich bin gespannt, wie dann die Unterstellten des CdA einmal organisiert werden.

  3. Pascal Frei, Maj i Gst sagt:

    Die „Kopfstruktur“ finde ich grundsätzlich zukunftstauglich. Die (Wieder)Einführung eines Ausbildungschefs ist sicher sinnvoll. Unsere Milizarmee ist eigentlich per Definition eine Ausbildungsarmee, deshalb ist dieser Posten wohl auch mit einem KKdt richtig besetzt.

    Mutig und ehrlich ist es auch, das Heer und die Luftwaffe nicht mehr weiter als Teilstreitkräfte zu bezeichnen. Hoffentlich werden aus dieser Rückstufung auch die entsprechenden administrativen Stäbe „entschlackt“. Bei den Ter Reg stellt sich mir die Frage, ob die Unterstellung einer Brigade Sinn macht. Ich erkenne zuwenig Mehrwert gegenüber einer Unterstellung von Regimentern. Besteht nicht die Gefahr, dass der Brigadestab zuviel Doppelspurigkeiten mit dem Divisionsstab aufweist?

  4. Heinz T. sagt:

    Ich denke auch, dass die Konflikte zwischen Ter Reg und Br vorprogrammiert sind. Weshalb zwei Stäbe? Wenn man schon Stäbe und Personal einsparen will, dann sollte man es dort tun, wo es eher schadet als nützt.

    So könnte man sich zum Beispiel vorstellen, dass die Ter Reg durch einen Brigadier geführt werden.

    Oder wenn man unbedingt einen Divisionär beibehalten will, sei dies aus Gründen der Seniorität oder anderen Gründen, so sollte eine Ter Reg mit Stab durchaus in der Lage sein, direkt Bataillone zu führen. Das passiert ja auch regelmässig bei WEF, AEROPORTO, MIKADO, FREY-HEROSE und wie sie immer alle heissen.

    Dort wo die Zwischenstufe der Division hingegen Sinn machen würde, nämlich bei den mechanisierten Einsatzverbänden, fehlt sie im Vergleich zur vorhergehenden Version der Kopfstruktur. Dort müsste ein Divisionsstab und die notwendigen Bat für die Führung einer Division vorhanden sein (Div Aufkl, Div Fe Ustü), um einen Einsatzverband Boden wirksam und in seiner Vollständigkeit trainieren zu können.

  5. Christoph Grossmann sagt:

    Interessant wäre es, mehr zu erfahren über die Beweggründe, die zu dieser Struktur führten. Massstab müsste doch sein, wie die Armee gewährleistet, ihre Verteidigungsfähigkeit zu entwickeln. Will man die Armee wirklich aufteilen in einen schulischen Grundausbildungsbereich, einen harmlosen, sich nur an den wahrscheinlichen Einsätzen orientierenden und stark spezialisierten Einsatzbereich und einem verwaltungsorientierten Unterstützungbereich? Woher kommt in dieser Struktur die Kraft, eine zeitgemässe Doktrin in der ganzen Armee umzusetzen? Mir scheint das Risiko kaum koordinierter Einzelbereiche relativ gross und daher auch die Gefahr, dass die Armee in einer solchen Aufteilung an Kraft und Wirkung weiter verlieren wird.

  6. Bezüglich Kopfstruktur scheint das Korps der Gst Of endgültig seines Kopfs beraubt worden zu sein?! Dies ist vor dem Hintergrund des Anspruchs, wonach sich in Zukunft wieder mehr Topkader der Wirtschaft als Gst Of zur Verfügung stellen sollten, bedenklich. Wenn im Ergebnis die Gesellschaft der Gst Of zum Alibi-Kopf verkommen sollte, dann wäre dies noch bedenklicher, denn bislang versäumte es der Vorstand, sich in der Öffentlichkeit für die Belange unserer gebeutelten Sicherheits-politik und Armee als gewichtige Stimme zu positionieren. Ein interner Blog wie dieser genügt mitnichten! Wenn der Vorstand es für richtig erachtet, einen Viertel (> Fr. 5’000) der ihm jährlich zur Verfügung stehenden Finanzmittel für sich selbst (Sitzungsgelder und „Belohnungs-Reisli“) zu beanspruchen, dann spricht dies Bände, denn für wichtige Projekte wie bspw. das Projekt mehr Milizof als Gst Of verbleiben laut Budget 2012 nur ein paar Brosamen im Ausmass einiger hundert Franken. Kein Wunder bleibt der Erfolg aus!
    Die SOG hat sich heute erfreulich markant und prägnant zur Situation von Sicherheitspolitik und Armee bzw. Armeebudget geäussert! Wo bleibt da die flankierende Stimme der Gesellschaft der Gst Of ?! Das vom Vorstand gelebte passive Verhalten bezüglich Öffentlichkeitsarbeit war nie unsere Meinung, als wir beschlossen der SOG nicht als Sektion beizutreten! Damals ausdrücklich geäusserte idee de manoevre war, dass sich die Gesellschaft der Gst Of gezielt zu Schwerpunkt- themen wie bspw. der Fliegerbeschaffung öffentlich äussern soll!!
    Es ergeht daher der dringende Appel an den Vorstand der Gesellschaft Gst Of endlich selbstbewusster und koordiniert mit der SOG die Stimme zu erheben. Wenn dies ausbleibt, dann verkommt die Gesellchaft Gst Of zu einem blossen gesellschaftlichen Club, von welchen es heute bereits im Übermass gibt, was à la longue nicht mehr unterstützungswürdig wäre! Gehen Sie also endlich über die Bücher, werden Sie aktiv, die SOG hat es vorgelebt! Die letzte GV war eine verpasste Chance, welche Scharte aber auszumerzen wäre.

  7. Blog Admin sagt:

    Der Vorstand nimmt Kenntnis vom „Rundumschlag“ von Oberst i Gst HJ Heitz. Am 26. März findet die nächste Vorstandssitzung statt. Anschliessend wird eine angemessene Antwort auf die zum Teil haltlosen Vorwürfe folgen.

  8. Blog Admin sagt:

    In seinem Kommentar holt Oberst i Gst Heitz zu einem undifferenzierten Rundumschlag aus. Nach dem Motto: „auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil“ sollen nachfolgend einige Dinge richtig gestellt werden.

    Die neueste „Kopfstruktur“ (Planungsvorgabe vom 1. März 2012) enthauptet das Korps der Generalstabsoffiziere nicht. Es gibt nach wie vor einen Kdt Gst Schule. Dieser ist dem Kdt der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA) unterstellt, was richtig ist. Falls effektiv ein „Chef Ausbildung der Armee“ eingeführt wird, dann ist die Ansiedlung bei der HKA richtig. Hört man sich ein bisschen um, dann ist es unzweifelhaft auch ein Verdienst der GGstOf, dass man auf die ursprüngliche Variante (HKA dem Kdt Heer unterstellt sowie Verzicht auf ein eigentliches Kdo Gst Schule) verzichtet hat.

    Anlässlich der diesjährigen Vereinsversammlung (VV 2012), an der rund 10% der GGstOf-Mitglieder teilgenommen haben, hat Oberst i Gst Heitz offen Kritik am Budget 2012 geübt. Der Kassier hat die notwendigen Präzisierungen gegeben. Der Interpellant war damit nicht zufrieden und hat nachgehakt, was eine klare Stellungnahme seitens des Revisors hervorgerufen hat. Oberst Heitz hat sich nicht weiter dazu geäussert, aber klar zu verstehen gegeben, dass er mit der Antwort nicht zufrieden sei. Das ist sein gutes Recht. Dass er es nun für nötig hält, im von ihm geschmähten Blog der GGstOf dieses Thema wieder aufzugreifen, ist lächerlich. Unwahr, und das soll hier in aller Klarheit gesagt werden, ist die Behauptung, die Vorstandsmitglieder erhielten „Sitzungsgelder“ und würden sich „Belohnungsreisli“ gönnen. Völlig haltlos ist zudem der den Vorstand fast schon diffamierende Vorwurf, jener würde damit rund einen Viertel des zur Verfügung stehenden Budgets für sich selbst beanspruchen. Wie an der VV 2012 dargelegt, beinhaltet diese Position sämtliche Administrationskosten (wie z. B. Porti, Spesen, Drucksachen). Der Vorstand erachtet es darüber hinaus als angemessen, jene Gst Of, die über das ganze Jahr immer wieder unentgeltlich und mit erheblichem Aufwand qualifizierte Leistungen zugunsten der GGstOf erbringen, am Schluss des Jahres einzuladen, was irgendwie etwas mit Wertschätzung zu tun. Auch diese Leistung ist im besagten Budgetposten mitenthalten.

    Im Rahmen der VV 2012 hat der Vorstand seine Schwergewichtstätigkeiten 2012 vorgetragen. Sie stützen sich auf die vier Elemente „Laufbahn – Netzwerk – Miliz – Sicherheitspolitik“ ab. Die VV 2012 hat diesen Aktionsplan kommentarlos zur Kenntnis genommen, was als Zustimmung interpretiert werden darf. Auch Oberst Heitz hat geschwiegen.
    Er wirft dem Vorstand Passivität vor. Irrtum, Herr Heitz! Wer hat in den letzten Wochen die ersten Kontakte zur sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates erfolgreich geknüpft und nicht nur gesagt: „Man sollte“? Glaubt Herr Heitz wirklich, dass in solchen Gesprächen nur das Wetter ein Thema ist? Wer hat sich zuletzt detailliert mit der Organisation der sicherheitspolitischen Führung der Schweiz auseinandergesetzt? Wer hat sich klar zu den Finanzzahlen im Zusammenhang mit der Armee geäussert und nicht nur Zetermordio geschrien? Nachdem die Landesregierung zur Flugzeugbeschaffung einen klaren Typenentscheid gefällt hat, kann es nicht Sache einer Milizorganisation sein, hier Kritik zu üben.
    An dieser Stelle die Diskussion um den Beitritt der GGstOf zur SOG wieder aufzuwärmen, so wie es Herr Heitz in seinem Blogbeitrag macht, ist völlig kontraproduktiv und wahrlich der Sache nicht dienlich.

    Fazit:
    Es ist das gute Recht von Oberst i Gst Heitz seine Meinung zu äussern und Kritik zu üben. Allzu einfach macht er es sich, wenn er andauernd nach allen Seiten hin Belehrungen verpasst und „gute“ Ratschläge erteilt, selber aber bis heute kaum weiterführende Beiträge im Rahmen der GGstOf geleistet hat. Wortgewaltigkeit in Ehren, aber hie und da bräuchte es echte, nachhaltige, mithin generalstäbliche Substanz.

    Der Vorstand

  9. M. R. Egger sagt:

    Auch hier wieder einmal mehr: Innerlich zerstrittene Armee-Befürworter, wie wir sie allenthalben sehen können – Giardino lässt grüssen.

    Das römische Reich ging auch nicht wegen äusserer Feinde zugrunde, sondern wegen inneren Streitigkeiten. Die GSoA freut sich, dass die der Armee wohlgesinnten Kreise ihr Geld und ihre Energie dafür verwenden, sich gegenseitig zu desavouiren.

    So können wir auch vergessen, je wieder eine Abstimmung zu gewinnen. Die damalige Erfolgsstory beim F/A-18 liesse sich heute kaum mehr wiederholen.

    Anstatt „Pro Armee“ haben wir heute „Pro Gripen“, „Pro Rafale“, „Pro Erhaltung der Schützenpanzer“, „Pro Auslandeinsätze“, „Pro Armee ohne Auslandeinsätze“, „Pro Festungserhalt“, „Pro Kopfstruktur Variante xyz“, … – Einigkeit des Handelns und Konzentration der Kräfte wäre angebracht. Aber wer erinnert sich schon noch an die bewährten Fürhungsgrundsätze?

  10. André Zumstein sagt:

    Generalstabsoffiziere sollen rechtzeitig mit guten Argumenten und Grundlagen zu ausgezeichneten Entscheiden beitragen, danach sind die gefällten Entscheide unserer Verantwortungsträger umzusetzen und zu unterstützen. Alle anderen, negativkritischen Wortmeldungen in der Öffentlichkeit sind unloyal – auch am Biertisch ist Zurückhaltung angesagt.
    Unsere höchsten politischen und militärischen Chefs sind Persönlichkeiten, die es bereits durch ihre Wahl verdienen, in der Ausübung ihrer Funktion unterstützt zu werden, ganz im Sinne der Bemerkungen von M. R. Egger.

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