Positionspapier der SOG vom 25. Juni 2011

Am 12. Juli 2011 hat der Präsident der SOG, Oberst i Gst Hans Schatzmann, das Positionspapier der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) vom 25. Juni 2011 vorgestellt.

Die Lektüre lohnt sich. Zahlreich sind die Anregungen, Vorschläge und vorgebrachten Kritikpunkte. Vieles kann vorbehaltlos unterstützt werden, anderes darf in guten Treuen hinterfragt werden.

Das Positionspapier hat eine lange Entstehungszeit hinter sich. Ein Vorteil liegt darin, dass damit die SOG auf zahlreiche Dokumente, die im letzten Jahr erarbeitet worden sind, konkret verweisen konnte. Dass aber die einen oder anderen Vorschläge etwas spät kommen, ist der zu bezahlende Preis.

An dieser Stelle soll lediglich auf einen Aspekt verwiesen werden, der unserer Ansicht nach etwas zu kurz kommt.

Die SOG schreibt einen Schlüsselsatz:

„Die Ausbildung in der Armee ist primär auf die optimale Ausbildung der Kader aller Stufen auszurichten.“ (Ziff 4.2, Seite 24).

Schade ist, dass sich die weiteren Ausführungen und Erläuterungen auf die unterste taktische Stufe (Zfhr und Einh Kdt) beschränken. Was die SOG fordert, ist gerechtfertigt. Nur besteht unsere Armee bei weitem nicht nur aus Zugführern und Einh Kdt.

Grundsätzlich haben wir die fatale Tendenz, stets von der Ausbildung der Soldaten zu sprechen, die eigentliche Kaderausbildung (als Kernkompetenz der Armee = Führen in schwierigen Lagen) hingegen, mit der die ganze Ausbildung der Armee aber steht und fällt, eher stiefmütterlich abzuhandeln. Aus dem Kreis der Zugführer und Einh Kdt werden sich die übrigen, höheren militärischen Kader rekrutieren. Umso wichtiger ist es, dass es sich als lohnend erweist, den Schritt zum Zugführer und später Einh Kdt zu machen. Solange es um Cheffunktionen geht, hat die Armee kaum Rekrutierungsschwierigkeiten – zum Glück! Daneben gibt es aber ab Stufe Bataillon Stabsfunktionen und in den Grossen Verbänden (Brigaden, Ter Regionen, Armee) Generalstabsfunktionen.

Betrachtet man die Skizze für eine zukünftige „Kopfstruktur“ der Armee (vgl „Sind die Tage der Generalstabsschule gezählt?„), dann erhält man echte Zweifel, ob sich die Armeeführung und das Departement der Herausforderungen an die zukünftige Kadergewinnung, Kaderselektion, Kaderausbildung und des Kadererhalts bewusst sind. Die Tatsache der klaren hierarchischen Herabstufung der Höheren Kaderausbildung (weg von der direkten Einflussnahme durch den Chef der Armee!) verspricht nichts Gutes – sollte dieser Schritt umgesetzt werden!

Vergessen wir nicht, Soldaten können in relativ kurzer Zeit ausgebildet werden, die Selektion und Ausbildung geeigneter Kader für alle Stufen hingegen ist eine Generationenaufgabe. Die Pflege des Kadernachwuchses gehört gerade in Zeiten des relativen Friedens zu den vornehmsten Aufgaben der Armeeführung – auch wenn auf diesem Gebiet wenig Lorbeeren zu holen sind, positive Schlagzeilen selten sind und eine hohe Beharrlichkeit gefordert ist. Aber die Glaubwürdigkeit der Armee gewinnt ungeheuer, und die Wirtschaft wird diese gut ausgebildeten Führungspersonen gerne nutzen.

Print Friendly, PDF & Email
Dieser Beitrag wurde unter Armee, Gst Of, Miliz, Politik, Projekte, SOG abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Positionspapier der SOG vom 25. Juni 2011

  1. Tischhauser Heinrich sagt:

    Die SOG hat gute Arbeit gemacht. Es ist der SOG hoch anzurechnen, dass sie sich in der für die Zukunft unserer Armee unsicheren Zeit zu Wort meldet und nicht „Gewehr bei Fuss“ steht. Ich teile auch die Meinung des Zusatzkommentars über die Ausbildung der Kader der Armee. Der Einheit entwachsen hat ein Kadermitglied der Armee auch die gesellschaftlichen, gesellschaftspolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimensionen unseres Landes zu erfassen, um das Sein der Armee ganzheitlich einordnen zu können. Übrigens ein Aspekt, der heute im Vergleich zu Zeiten der Akteure Mabillard, Senn, Wildbolz, Zumstein usw. völlig abgeht. Persönlichkeiten, welche im Lande gehört und verstanden werden, fehlen heute der Armee. Der Anfang und das Ende ist einer umfassenden militärischen und zivilen theoretischen und praktischen Ausbildung zu finden.

  2. Oberst i Gst Jacques W. Cornut, Basel. sagt:

    Ich unterstütze das SOG-Positionspapier vom 25. Juni 2011, formuliert von Oberst i Gst Hans Schatzmann, SOG Präsident.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.