Sicherheit Schweiz 2013: Nur 8% wollen das Modell „Freiwillige Milizarmee“

Das Center for Security Studies (ETH Zürich) sowie die MILAK an der ETH Zürich haben heute die neuesten Zahlen und Erkenntnisse zur „Sicherheit 2013“ publiziert. Der Zahlenreigen bietet viel Stoff für sicherheitspolitische Diskussionen. Hier ein Blick auf einige bemerkenswerte Erkenntnisse:

  • Einschätzung der weltpolitischen Lage: 46% (-7%) teilen in diesem Jahr die Meinung, dass sich die weltpolitische Lage in den nächsten fünf Jahren düsterer und gespannter zei- gen wird. Ähnlich viele SchweizerInnen erwarten in den nächsten fünf Jahren keine Veränderung der weltpolitischen Lage (44%, +6%). Mit 9% ist der Anteil an Befragten, welche an eine Entspannung des weltpolitischen Geschehens glauben im langjährigen Mittel..
  • Notwendigkeit und Bedeutsamkeit der Armee: Im Januar 2013 erachten mit 26% (+6%) wieder markant mehr die Armee als «unbedingt» notwendig, währenddessen 46% (–9%) der Befragten angeben, die Armee sei «eher» notwendig. Für 62% (+2%) der Schweizer StimmbürgerInnen ist es wichtig, eine starke Armee zu haben..
  • Umfang der Armee: Zwei von drei Befragten unterstützen in diesem Jahr die Forderung nach einer gut ausgerüsteten und ausgebildeten Armee (67%, –2%). Es zeigt sich auch 2013, dass die Befürwortung einer gut ausgerüsteten und ausgebildeten Armee seit 2009 auf einem im langjährigen Vergleich tiefen Niveau stagniert..
  • Milizarmee versus Berufsarmee: In diesem Jahr manifestiert sich jedoch eine markant schwächere Befürwortung der Berufsarmee in der Schweizer Bevölkerung (37%, –6%), währenddessen die Milizarmee an Unterstützung gewonnen hat (56%, +4%).
    Abb_10-1
    Personen, welche öfters bei politischen Fragen von anderen um Rat gebeten werden und in diesem Sinne eine Meinungsführungsposition inne haben, stehen überdurchschnittlich stark hinter dem Milizsystem (64%). Ebenfalls unterstützen sicherheitspolitisch interessierte SchweizerInnen die Milizarmee deutlich stärker (62%) als Personen, die angeben, sich nicht für Sicherheitspolitik zu interessieren (47%). […] «Traditionalisten» (67%) bejahen das heutige Milizsystem am stärksten..
  • Freiwilligenarmee: 2013 manifestiert sich ein signifikanter Vertrauensverlust der SchweizerInnen in eine Freiwilligenarmee. Aktuell würden 46% (–5% im Vergleich zur letztmaligen Erhebung 2011) der BürgerInnen einer Freiwilligenarmee «sehr» oder «eher» vertrauen, 50% «eher nicht» oder «überhaupt nicht»..
  • Wehrpflicht: Die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht und der Verzicht auf jede Form einer obligatorischen Dienstpflicht findet im Vergleich zur letztmaligen Erhebung im Jahr 2005 markant weniger Unterstützung (–6%). Aktuell spricht sich eine Minderheit von 23% gegen die Wehrpflicht und jede andere Form der obligatorischen Dienstpflicht aus. […] Personen, welche im Militär eingeteilt waren, aber nicht den ganzen Dienst leisteten, am ehesten für die Abschaffung der Wehrpflicht (41%). Aktive Armeeangehörige und Befragte, die nie Militärdienst absolvierten, sind mit je 35% für die Aussetzung der Wehrpflicht. Die geringste Akzeptanz findet diese Vorgabe bei SchweizerInnen, welche ihren Dienst vollständig beendet haben (22%).
    Fast die Hälfte [der Befragten] steht klar hinter dem bestehenden System (48%, +10%): Sie sind für die Milizarmee und gegen die Aufhebung der Wehrpflicht. Dieser Anteil hat sich im Jahresverlauf signifikant vergrössert: Vor allem auf Kosten jener, welche die gegenteilige Meinung – eine Berufsarmee und die Aufhebung der Wehrpflicht – vorziehen. Noch 22% der Befragten (–10%) unterstützen ein solches Modell.
    Tab_10-1
    .
  • Ist die Wehrpflicht gerecht? Generell wird die allgemeine Wehrpflicht von der Schweizer Stimmbevölkerung als gerecht empfunden. Der Aussage, dass die allgemeine Wehrpflicht gut ist, da sie «für alle jungen Männer gilt und deshalb gerecht ist», stimmen knapp zwei von drei Befragten zu (64%). Ebenso viele sehen die allgemeine Wehrpflicht positiv, da sie «eine staatsbürgerliche Pflicht ist». Hingegen findet nur eine Minderheit von 39% der SchweizerInnen, dass die allgemeine Wehrpflicht ungerecht sei, da sie «auf Zwang beruht» und 34%, da sie nur für Männer gilt. 37% der Befragten sind der Ansicht, dass die Wehrpflicht heute keinen Sinn mehr macht und 33% sehen das militärische Denken mit dem zivilen unvereinbar. Signifikant mehr SchweizerInnen sprechen im Januar 2013 dem Militärdienst eine Integrationsleistung zu (71%, +5%)..

Die gesamte Studie (PDF) ist auf der Webseite des CSS oder des VBS verfügbar.
Mitteilung VBS – Details

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6 Kommentare zu Sicherheit Schweiz 2013: Nur 8% wollen das Modell „Freiwillige Milizarmee“

  1. Philipp Hofmann sagt:

    Wehrpflicht ist dann gerecht, wenn sie für alle gilt. Wenn aber 1/2 – 2/3 aller Schweizer Männer sich rein faktisch drücken können, muss mir niemand kommen von wegen Gerechtigkeit. Wobei nicht nur die Drückeberger führen das System ad absurdum, ja selbst die Armee könnte gar keine 100% nehmen; ist also froh, wenn der Grossteil irgendwie abspringt. Untauglich nennen sich die dann. Komisch, das dieses Prädikat im Berufsleben nicht nur keine Nachteile hat, nein, es ist sogar erwünscht, und man wird bevorzugt bei der Jobbewerbung, wenn man diese „Auszeichnung“ vorweisen kann. Also hört auf mit dem lächerlichen „Wehrpflicht ist gerecht“.

    Und noch ganz geschwiegen von den Frauen. Ich meine nicht, dass Frauen klassischen Armeedienst leisten sollen, aber einen Gesellschaftsdienst (oder halt klassischer Zivildienst) wäre jeder zuzumuten. Z. B. im Krankendienst oder in der Altenpflege. Das sind doch just die Kosten, die momentan am Explodieren sind und daneben noch dazu führen, dass wir ständig ausländische Hilfskräfte importieren müssen. Oder kann man einer 20-jährigen Schweizerin dies nicht zumuten? Nota bene: Unter Schweizerinnen liegt die Mutter-Quote unter 25 Jahren mittlerweile im tiefen einstelligen Prozentbereich; also auch dahingehend keine Entschuldigung.

    Also: Diese Punkte korrigieren und dann reden wir wieder von gerechtem Wehrdienst.

  2. Rosa Roth sagt:

    Philipp Hofmann, Du hast ein Durcheinander im Hirni…. that’s it.

  3. Philipp Hofmann sagt:

    Und Sie – Frau Roth – haben nicht nur keine Argumente, sondern auch keinen Anstand. Aber genau aus diesen Gründen sind es, die die rechten Wutbürger und Ewig-Gestrigen politisch – völlig zurecht – auf den absteigenden Ast getrieben und entmachtet haben. Mir soll’s recht sein. 🙂

  4. Jacques W. Cornut sagt:

    est-il vraiment utile voire nécessaire qu’une personne de premier ordre déclare que l’armée comprendera 100’000 participants, avant même que la discussion débute ?

  5. Bruno Nüsperli, Oberst i Gst aD sagt:

    Es wäre interessant zu wissen, wie sich die wachsende Schar junger Schweizer mit Migrationshintergrund zur Frage „Miliz- vs Berufsarmee“, resp. zur Notwendigkeit einer Armee generell stellt. Ich habe Kontakte zur Tamilen- und zur Eritreer-Diaspora, darunter etwa ein Dutzend 20 bis 30-jährige (Hindus und Christen), die grösstenteils hier aufgewachsen und zur Schule gegangen sind: Secondos. Die Mehrheit von ihnen will unsere Wehrpflicht leisten und tut dies auch. Es gibt mehrere Gründe für diese Einstellung: Ein unverkrampftes Verhältnis zu männlichen Eigenschaften wie sportliche Konkurrenz und Landesverteidigung mit der Waffe, Hoffnung auf berufliche Startvorteile als Secondos – aber vor allem: sie haben selbst oder in der Familie erlebt, warum es sich lohnt, um die eigene Heimat zu kämpfen – und sie wollen ihre neugefundene Heimat nicht schon wieder verlieren. In diesem Punkt ist wenig Verständnis für das Unverständnis unserer GSoA-Aktivisten gegenüber einer Verteidigung unserer Selbstbestimmung vorhanden.

    Dies alles heisst natürlich nicht, dass ich die gegenwärtige Opendoor-Migrationspolitik gutheisse – im Gegenteil. Die Geschichte aber hat gelehrt, dass es immer wieder Einwanderer gab, welche uns eine notwendige Blutauffrischung brachten: Von den Hugenotten über die Liberalen des 19.Jahrhunderts bis zur Generation Hayek. Man müsste diese Rolle bestimmter Segmente der heutigen Migranten einmal exakter untersuchen.

  6. Lina S. sagt:

    Ich finde so etwas wie eine Wehrpflicht ist nicht mehr zeitgemäss. Sollte nicht jeder selbst entscheiden können, wie sein Weg verläuft? Und sich davor zu drücken, wird einem meines Wissens nach auch nicht sonderlich erschwert.

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