Smart Tech statt High Tech (4): Sicherheitspolitischer Bericht

Überlegungen zu einer asymmetrischen Wehrtechnologiestrategie
von Franz Betschon*

Teil 4: Gibt der Sicherheitspolitische Bericht Antworten?

Im Sicherheitspolitischen Bericht 2010 der Schweiz (Entwurf vom 5.3.10) fehlt eine stringente, quantifizierte Bedrohungsanalyse für den Luftkrieg, den Landkrieg oder den Zusammenhang zwischen dem modernen Luft- und dem Landkrieg, woraus sich die Schlussfolgerungen für die Armee ableiten liessen. Mit welchen Mitteln die Armee ihren Beitrag zum Sicherheitsverbund Schweiz leisten müsste, respektive mit welchen militärischen Mitteln der Gegner angreifen könnte, ist nicht ersichtlich. Die Armee, eingesetzt zum „Abhalten und Abwehr eines militärischen (terrestrischen?) Angriffs, zur Verteidigung des Luftraums oder zur Wiederherstellung der territorialen Integrität“ wird richtigerweise nur als einer von vier Sicherheitsbereichen genannt (Kap. 42). Wer darin Antworten bezüglich Anforderungen an neue Ausrüstung, z.B. Flugzeuge, erwartet, liegt falsch. Es lässt sich nicht einmal eine klare Militärpolitik heraus destillieren. Dass keine Aussen- oder Wirtschaftspolitik als weitere Komponenten der Sicherheitspolitik ersichtlich sind, macht das Papier auch nicht griffiger. Dafür ist aber wenigstens nicht das VBS verantwortlich und dieses täte gut daran, sich nur auf seinen Bereich zu konzentrieren.

Es ist ein Widerspruch, dass bei uns das Heer nach der pragmatischen, aber eigentlich nicht der geltenden Doktrin entsprechenden Devise plant, auch in der Planungsphase schon mit der wahrscheinlichsten Feindmöglichkeit zu rechnen, die Luftwaffe aber immer noch mit der gefährlichsten argumentiert, wie es im Kalten Krieg sinnvoll war. Wo ist da die starke doktrinäre Hand der AXXI? Natürlich: Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist die bequemste. Bequem für den eigenen Denkaufwand und bequem für die Politik.

Dr. Konrad Hummler, auch Oberst i Gst a D und Bankier, hat in einem kürzlichen Vortrag darauf hingewiesen, dass die Katastrophen im Weltfinanzsystem der letzten Jahre, die sich eigentlich gar nicht hätten ereignen dürfen, eben doch eingetreten sind. Ausgerechnet die gefährlichsten Entwicklungen, die der Wahrscheinlichkeit nach eigentlich nur alle paar tausend Jahre eintreten sollten, haben sich in den letzten Jahren gleich dreimal in sehr kurzen Abständen aus heiterhellem Himmel eingestellt. Warum sollte dies nicht auch im militärischen Bereich gelten? Wir sollten gewarnt sein!

Das Denken in Wahrscheinlichkeitskathegorien ist fahrlässig und gefährlich für unser Land!
Es bleibt nur noch ein Paradigmenwechsel auf der Ausgabenseite!

* Franz Betschon, Dipl. Masch. Ing. ETH, Dr. sc. Techn. ETH durchlief eine Industriekarriere und sitzt heute in diversen Verwaltungsräten. Er hat mehrere Bücher über Sicherheitspolitik verfasst. Militärisch war er u.a. Chef Sektion Operationen im Stab FF Trp, USC Log im Stab FF Trp und zuletzt Gst Of im Stab USC ND im Range eines Oberst i Gst.

Der nächste Teil beschäftigt sich mit den „Gedanken zu einer Low-Cost-Rüstung im Bereich Luftwaffe

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Ein Kommentar zu Smart Tech statt High Tech (4): Sicherheitspolitischer Bericht

  1. Es ist bezeichnend, dass für eine reale visionäre Sicht möglicher und wahrscheinlicher Szenarien altgediente (a.D) Generalstabsoffiziere den blutarmen sicherheitspolitischen Bericht bereichern müssen. In der Armee fehlen weitestherum die strategisch intellektuellen und stringenten Fähigkeiten, einen wegweisenden Bericht vorzulegen. Der jetzige ist aus kleinstkarriertester politischer Sicht geprägt, ein reines „Meinungenwerk“ schlechteter Güte. Das wir die Armee teuer zu stehen kommen.

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