Smart Tech statt High Tech (9): Abschliessende Überlegungen

Überlegungen zu einer asymmetrischen Wehrtechnologiestrategie
von Franz Betschon*

Teil 9: Abschliessende Überlegungen

Staatspolitische Überlegungen
Viele Konzepte und Pflichtenhefter, vor allem im Bereich der Führungsinformatik müssten eigentlich mit der höchsten Geheimhaltungsstufe (Geheim) klassifiziert werden. Sie beinhalten die intimsten Massnahmen zur Führung unserer Armee im Einsatz und die Einsatzvorbereitungen und es fragt sich, ob diese Geheimhaltung im Ausland genügend respektiert wird. Dazu gehören auch Übungsanlagen. Insgesamt müsste dies zu einem Verbot zur Kommunikation darüber mit dem Ausland führen. Müsste sich nicht die Militärjustiz einmal dieser Sache annehmen?

Staatspolitisch relevant ist auch die Art, wie mit der allgemeinen Wehrpflicht umgegangen wird. Um Bestände senken zu können, werden schon mal möglichst wenig Rekruten einberufen, der Wehrdienst ist indirekt freiwillig und damit prestigemässig abgewertet worden. Man bejammert einfach die angeblich gesunkene Tauglichkeitsrate. Will man weiterhin an diesem Verfassungsartikel festhalten, müssten die Bestände durch eine Rückwärtsrechnung definiert werden, nicht über die Kosten. Kostensenkungspotenziale gibt es, wie hier gezeigt wird, über andere Paradigmenwechsel genügend.

Für die Finanzierung könnten kreative Methoden beigezogen werden, wie das gewisse Länder auch schon tun, etwa durch Leasing. Das amerikanische Verteidigungsbudget wird, wie alle übrigen Staatsausgaben, schon zu einem schönen Teil durch Anleihen im Ausland gedeckt. Auch wir Schweizer bezahlen direkt oder indirekt das US-Verteidigungsbudget mit. Finanzierungmethoden sind, wie auch Projektmanagement oder Truppenführung, im direkten Sinne auch Technologien, das heisst Problemlösungsfähigkeiten.

Wer steht einem solchen Konzept im Wege?

  • Zunächst natürlich die GSoA, die so links überholt würde und ihr Ziel nicht mehr erreichen kann.
  • Die Spielwarenfraktion, denn, was weniger kostet ist auch weniger wert.
  • Einige Politiker und Militärs, die mit solchen Paradigmenwechsel Mühe haben könnten. Sie sind überzeugt, keine Zeit mehr zu haben für einen gedanklichen Neuanfang und verheddern sich immer mehr in Altlasten.
  • Der militärisch-industrielle Komplex der Schweiz

Wer wäre sofort dafür zu gewinnen?

  • Die Miliz. Sie kann ihr in der Privatwirtschaft erfolgreiches, weltweites, am Markt erprobtes Denken sofort einbringen. Ihre universelle Ausbildung, die derjenigen jeder Berufsarmee überlegen ist, kann übergangslos eingespannt werden. Die Miliz verfügt bereits über alle erwähnten Technologien und Fähigkeiten. Der sportliche Ehrgeiz würde wieder gefordert.
  • Unsere Wehrtechnikindustrie (RUAG, Pilatus, MOWAG etc.). Sie könnte sich, eventuell über Kooperationen, ein neues, grosses Marktsegment erschliessen, das nicht schon durch die Konkurrenz besetzt ist.
  • Die Moralisten, denn eine solche reine Defensivarmee kann nicht unmoralisch sein.
  • Die Finanzkommissionen der eidgenössischen Räte, denn solche Rüstung böte Gewähr für sorgfältigen Umgang mit den Mitteln und beste Förderung der eigenen Volkswirtschaft.

Zum Schluss: Gefährlichste versus wahrscheinlichste Feindmöglichkeit
Wenn endlich durchgängig logisch argumentiert wird und zunächst generell die gefährlichste Feindmöglichkeit angedacht wird und zwar auch für das Heer, so dürfte sich das Gesamtbild bereits etwas erhellen. Die Luftwaffe, die ja auch für das Heer da sein will, muss dann auch wieder seine Erdkampf- und Luftaufklärungsfähigkeit aufbauen (und bezahlen!). Das Heer wird mindestens auf den formierten 9 Kampfbrigaden in voll ausgerüsteter und ausgebildeter Form beharren müssen. Es ist nicht Sache der HSO des Heeres, sich schon in dieser Planungsphase angepasst zu verhalten. Über die Konsequenzen, die das VBS aus diesem Dilemma zieht, darf man gespannt sein.

Ohne sich ständig über Bestände selber aufzuhängen, müsste es möglich sein mit einer Smarttech-Rüstung bei mindestens 30% geringeren Kosten dieselbe Kampfleistung zu erreichen, wie heute auf konventionelle Weise.

* Franz Betschon, Dipl. Masch. Ing. ETH, Dr. sc. Techn. ETH durchlief eine Industriekarriere und sitzt heute in diversen Verwaltungsräten. Er hat mehrere Bücher über Sicherheitspolitik verfasst. Militärisch war er u.a. Chef Sektion Operationen im Stab FF Trp, USC Log im Stab FF Trp und zuletzt Gst Of im Stab USC ND im Range eines Oberst i Gst.

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