Umsetzung der Empfehlungen: Erster Zwischenbericht

In seiner Sitzung vom 14. Juni hat der Vorstand entschieden, einen ersten Zwischenbericht zur Umsetzung der verschiedenen Empfehlungen, die in der GGstOf-Schrift „Die Zukunft der Miliz im Korps der Generalstabsoffiziere“ (August 2010) aufgeführt sind, zu erstatten.

Grundsätzlich muss man sich bewusst sein, dass die Möglichkeiten der GGstOf, ihren Einfluss direkt geltend zu machen, sehr beschränkt sind; das heisst aber nicht, dass man einfach die Hände in den Schoss legen soll und hofft, dass… Wie wir geschrieben haben „werden alle verantwortlichen Akteure über längere Zeit gefordert sein„.

Interessant festzustellen ist, dass bis heute an sich von keiner Seite der aufgeführten An-sprechpartner eigentliche Opposition gegen einzelne oder ganze Gruppen von Empfehlungen angemeldet worden ist. Gründe kann es verschiedene geben: „ist selbstverständlich„, „muss gemacht werden“ oder „Desinteresse an Armeefragen, Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema„, „Gefühl, nicht direkt betroffen zu sein“ oder …
Wichtig zu wissen ist aber, dass sich der Chef der Armee, Korpskommandant André Blatt-mann, intensiv mit den Empfehlungen auseinandergesetzt hat und mit einigen Nuancen die allgemeine Marschrichtung unterstützt.

Einen stets aktuellen Überblick der Empfehlungen und Beurteilung mit Ampel finden Sie auf unserer neuen Seite „Empfehlungen“ unter „Zukunft Miliz„.

Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Gruppen von Empfehlungen (E). Wir beurteilen mit den bekannten Ampeln, wo wir stehen

  • ROT = noch keine konkrete Verbesserung erkennbar;
  • GELB = erste Massnahmen zeigen in die richtige Richtung;
  • GRÜN = Empfehlung zu unserer Zufriedenheit umgesetzt;
  • eine LEERE Ampel zeigt an, dass es beim heutigen Wissensstand noch nicht möglich ist bzw. unfair wäre, ein Urteil zu fällen.

Politische Behörden und Verwaltung
E 1 Klare sicherheitspolitische Ziele und Armeeaufträge

Es dürfte müssig sein, hier lange zu diskutieren. Die sicherheitspolitischen Diskussionen der letzten Wochen und Monate haben klar gezeigt, dass es der schweizerischen Politik nicht recht gelingen will, einen glaubwürdigen und zielführenden Konsens in Sachen Sicherheitspolitik zu finden. Damit laufen wir Gefahr, dass das Fundament auch weiterhin nicht solide ist. Dazu verweisen wir gerne auf einen früheren Beitrag.

E 2 Stabile und auf die Armeeaufträge abgestimmte Finanzen

Die Diskussion, wie viel Geld der Armee zur Verfügung gestellt werden soll, weckt Emotionen. Die Landesregierung will sich mit 4,4 Mia. CHF pro Jahr begnügen, das Gros der Milizorganisationen, allen voran die SOG, und auch zahlreiche Parlamentarierinnen und Parlamentarier wollen klar mehr. Am Horizont zeichnet sich möglicherweise eine Armee-Initiative ab, deren Stossrichtung eine Verankerung eines minimalen Prozentsatzes vom BIP in der Bundesverfassung zugunsten der Landesverteidigung sein soll. Die Chancen stehen nicht so schlecht, dass hier noch Remedur geschaffen wird. Ob allerdings auch die sog. „Anschubfinanzierung“ für die Erreichung des Solls sichergestellt werden wird, ist gänzlich offen. In den parlamentarischen Diskussionen ist es verdächtig still um dieses Thema.

E 3 Wehrpflicht möglichst umfassend erhalten

Mit dem absehbaren Einreichen einer Volksinitiative zur Abschaffung der Allgemeinen Wehrpflicht durch die GSoA wird die Diskussion um die zukünftige Wehrstruktur der Schweizer Armee mit Sicherheit heftig entbrennen. Anzunehmen, dass die Allgemeine Wehrpflicht für „alle Ewigkeit“ gesichert sei, dürfte blauäugig sein. Die SOG nimmt in ihrem Positionspapier vom 25.6.11 klar Stellung zugunsten der Allgemeinen Wehrpflicht. Auch die AWM spricht sich zugunsten der Allgemeinen Wehrpflicht aus. Zudem wird im Unternehmerforum Lilienberg der Zyklus 2012 des Aktionsfeldes „Sicherheit & Armee“ diesem Thema gewidmet sein. In der Regel wird in sicherheitspolitischen Diskussionen der Allgemeinen Wehrpflicht das Wort gesprochen, was positiv zu vermerken ist, aber einfach anzunehmen dass… wäre gefährlich.

E 4 Wertschätzung gegenüber den Leistungen der Schweizer Armee

Unsere Politikerinnen und Politiker, die sich bereit erklären, an militärischen Anlässen zu erscheinen und aufzutreten, zögern nicht, den Angehörigen der Armee den Dank der Behörden auszurichten. Eindeutiger und überzeugender ist das Dankeschön nach Spezialeinsätzen, z.B. Katastrophenhilfeeinsätzen. Dennoch ist die „Rückendeckung“ der Politiker nicht sonderlich ausgeprägt. In Sachen Armee verlässt die Zivilcourage zu viele Politikerinnen und Politiker. Wir erwarten ein ausgeprägteres Engagement – unabhängig von Wahlüberlegungen.

Fazit: Auf der politischen Ebene bestehen zahlreiche grosse Baustellen, die für die Zukunft der Armee von essentieller Bedeutung sind. Es wird darum gehen, weiterhin am Ball zu bleiben und selbständig oder koordiniert mit anderen Milizorganisationen „zum Rechten zu schauen“, will heissen, den Stellenwert der Armee für die Sicherheit der Schweiz immer wieder zu erklären und begreifbar zu machen.

Armeeführung
E 5 Milizoffiziere gezielt einsetzen und zweckmässig in die Stäbe einbinden

Mit der Bereitschaft des CdA, den Milizorganisationen die Möglichkeit zu bieten, in verschiedenen Beratergremien zur Weiterentwicklung der Armee (WEA) Einsitz zu nehmen, kommt die Armeeführung der E 5 nach. Dabei besteht die Gefahr, dass auf der einen Seite die Erwartungen seitens der Milizangehörigen über ihre konkreten Einflussmöglichkeiten schlicht überschätzt werden, auf der anderen Seite die „Zentrale“ Gefahr läuft, Miliz-Beiträgen tendenziell lediglich Alibicharakter zuzubilligen. Es gilt, die sich bietenden Chancen auf beiden Seiten zu nutzen und gleichzeitig die Grenzen zu erkennen.
Was den Einsatz der Gst Of in den Stäben der Gs Vb betrifft, so sind wir noch nicht in der Lage zu beurteilen, wie sich die Lage konkret präsentiert.

E 6 Führung, Führungsstrukturen und –instrumente auf den Personalmarkt ausrichten

Diese Empfehlung wird im nächsten Audit im Winter 2011/2012 auf Stufe Kdt und SC Gs Vb überprüft.

E 7 Durch Fördern interner Kommunikation möglichst breite Rekrutierungsbasis schaffen

Die Informationsvermittlung bezüglich einer militärischen Karriere erfolgt heute nicht aus einem Guss. Bei den Stellungspflichtigen sind die kantonalen Militärbehörden zuständig (siehe externer Bericht). In der Rekruten- und Offiziersschule informieren und entscheiden die dort eingesetzten Berufsmilitärs. Im Führungslehrgang Einheit (für Einh Kdt) hat sich seit diesem Jahr die GGstOf dem Thema angenommen. Welche Möglichkeiten nach dem GLG III – nebst der Stabslaufbahn im Grossen Verband und einer Kdt Laufbahn – offen stehen, wissen die wenigsten. 

So muss festgestellt werden, dass es keine einheitliche Kommunikation für dieses zentrale Thema gibt. Es kümmert sich niemand integral um die Kadergewinnung und -betreuung. Ob diese Stelle beim J1, J7 oder der Kommunikation angehängt wird, ist dabei sekundär. Folgt man der Ansicht, dass die Armee  ein „people business“ ist, dann muss hier Remedur geschaffen werden.

E 8 Der richtige Generalstabsoffizier am richtigen Ort

Mittels eines weiteren Audit werden wir präzisere Angaben zur konkreten Verwendung der Gst Of erhalten. Die Notwendigkeit einer gezielten Betreuung der rund 800 wichtigsten Führungspersonen in der Armee wird im Grundsatz auch vom J1/FST A anerkannt. Eine vertiefende Diskussion ist im geplanten HSO-Seminar des CdA (Herbst 2011) vorgesehen; Es wird u.a. personellen Fragen gewidmet sein.

E 9 Strategie für das Korps der Generalstabsoffiziere

Die Notwendigkeit einer eigentlichen Strategie für den Dienstzweig Generalstabsdienst wird vom J1/FST A im Grundsatz bejaht. Wie und wer das anpacken wird, ist zurzeit noch völlig offen. Die uns bis anhin bekannten Vorschläge für eine nächste Kopfstruktur Stufe Armee lassen aber wenig Positives erahnen.

E 10 Investitionen ins Personal und in eine moderne Ausbildungsinfrastruktur

Die Forderung nach hochqualifizierten Berufskadern ist unbestritten. Es ist alles daran zu setzen, dass die Besten in den Kaderschulen eingesetzt werden. Doch wenn die Mehrfachbelastungen an diesen Arbeitsplätzen abschreckend wirken, wird es schwierig, die Positionen mit geeigneten Leuten zu besetzen.

Fazit: Der Chef der Armee anerkennt vorbehaltlos die Bedeutung des Personellen. Massnahmen auf seiner Stufe wurden rasch ergriffen. Bis diese jedoch Wirkung zeigen, wird noch Zeit vergehen. Ausgewählte Themen (E 8, E 9) wurden vom J1/FST A aufgegriffen. Wir setzen hohe Erwartungen in das HSO-Seminar vom Herbst 2011. Der J1 hat versprochen, uns anschliessend umgehend zu informieren.

Kommandanten und Stabschefs
E 11 Führungsaufgaben mit Fokus auf die Kader wahrnehmen

Diese Empfehlung wird im nächsten Audit im Winter 2011/2012 bei den in den Stäben Gs Vb eingeteilten Gst Of überprüft.

Fazit: Zurzeit verfügen wir über keine gesicherten Aussagen aus den Gs Vb, um beurteilen zu können, ob der E 11 Nachachtung verschafft worden ist oder eher nicht. Einzelaussagen können noch kein abgerundetes Bild ergeben.

Höhere Kaderausbildung (HKA)
E 12 Selektionsverfahren anpassen

Der Präsident GGstOf hatte Gelegenheit, der EMEP 2011 (Erweiterte Militärische Eignungsprüfung) zu folgen. Anschliessend konnte er dem CdA Bericht erstatten. Die Absicht des CdA war klar, dass der zivile Assessmentteil verstärkt und verbessert werden muss, erhält er doch durch die qualifizierten zivilen Assessoren Beurteilungselemente, die er von keiner militärischen Stelle erhält. In der Selektion potentieller Gst Of Anwärter kommt aber den Kdt Gs Vb in jedem Fall eine hohe Bedeutung zu. Ab 2012 wird die Selektion härter werden, denn pro Jahr werden nur noch 35 Anwärter ausgebildet. Am Grundsatz, dass mindestens 50% aus der Miliz stammen, wurde nicht gerüttelt.

E 13 Qualität der Ausbildner erhöhen

Vgl Bemerkungen unter E 10.

E 14 Neuausrichtung der Generalstabslehrgänge GLG IV und GLG V

Die beabsichtigte teilweise Neuausrichtung der GLG IV/V wird in einem Einzelprojekt unter dem Decknamen „EDELWEISS“ unter der direkten Führung des Kdt HKA bearbeitet. Ein Projektauftrag des CdA liegt vor. In einer ausserordentlichen Sitzung vom 30.8.11 wurde der Stand der Arbeiten präsentiert. Der Beitrag der Miliz wurde präzisiert. Bis Ende Jahr wird sie sich mit den Resultaten, die im Kdo Gst Schule erarbeitet worden sind, kritisch auseinandersetzen.

Fazit: Dem Kdo HKA kommt in der Selektion, Ausbildung und Weiterausbildung der Gst Of eine zentrale Stellung zu. Die Zuweisung der erfahrensten und methodisch bestausgebildeten Ausbilder mit hoher Sozialkompetenz ist strikte einzuhalten. Die GGstOf verfolgt mit Stirnerunzeln, wenn davon die Rede ist, das Kdo HKA in Zukunft wieder dem HEER zu unterstellen und es der direkten Einflussnahme durch den CdA zu entziehen. Die am 6. Juli 2011 den Milizorganisationen durch den CdA vorgestellte zukünftige „Kopfstruktur“ der Armee sieht eine Unterstellung des Kdo HKA beim Heer vor, wobei der Chef Heer eher wieder die Funktion eines Ausbildungschefs der Armee haben würde. Wenn man sich in weiten Kreisen einig ist, dass die Armee ein „people businessmit Fokus auf den Kadernachwuchs ist und hier grosse Anstrengungen zu unternehmen sind, um die richtigen Leute für die Weiterausbildung zu gewinnen, dann setzt die hierarchische Herunterstufung des Höheren Kaderausbildung der Armee ein falsches Zeichen.

Gesellschaft der Generalstabsoffiziere (GGstOf)
E 15 Aktive Rolle in der Kommunikation und Imagepflege

Mit den Präsentationen zur Weiterausbildung zum Gst Of in den Lehrgängen für angehende Einheitskommandanten ist es der GGstOf gelungen, dank einer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit dem Kdo Zentralschulen, sich an die jüngste Generation potentieller Gst Of Anwärter zu wenden. Das Echo vom Mai 2011 war positiv. Die Anstrengungen werden fortgesetzt.

Es besteht kein Zweifel, dass in den verschiedensten Kreisen unserer Zivilgesellschaft, auch bedingt durch die Tatsache der stets kleiner werdenden Armee, die Kenntnisse über die militärische Kaderausbildung auf den verschiedensten Stufen eher bescheiden sind. Die Anstrengungen in Sachen gezielte Information sind fortzusetzen.

E 16 Die GGstOf verfolgt die Umsetzung der Empfehlungen

Ausgangspunkt dieses Zwischenberichts. Weitere Zwischenberichte, auch zu einzelnen Empfehlungen, werden folgen.

Fazit: Der Einfluss der GGstOf ist an verschiedenen Orten spürbar. Die seit einiger Zeit unternommenen Anstrengungen, dem Korps der Gst Of (Berufsmilitärs und Miliz) seinen wichtigen Platz in unserer Milizarmee zu sichern, müssen fortgesetzt werden.

E 17 bis E 20

Diese Empfehlungen werden im nächsten Audit im Winter 2011/2012 bei den in den Stäben Gs Vb eingeteilten Gst Of überprüft.

 

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